Bis ins hohe Alter Zeitung lesen, mobil bleiben, aktiv sein – wie können Bewohner einer Senioreneinrichtung möglichst lange am gesellschaftlichen Leben teilhaben? Eine Grundvoraussetzung dafür ist, gut sehen zu können.

Die neue Präventionsmaßnahme "Gutes Sehen" richtet sich an die Bewohner von vollstationären Pflegeeinrichtungen und deren Angehörige. Sie möchte das Bewusstsein für gutes Sehen in Pflegeeinrichtungen schärfen, dort regelmäßige Vorsorgemaßnahmen verankern und Barrieren im Alltag sehbeeinträchtigter und blinder Senioren abbauen.

Die Teilnahme an dem Programm, das die Blindeninstitutsstiftung durchführt, ist für vollstationäre Pflegeeinrichtungen kostenfrei. Die Kosten übernehmen die beteiligten Pflegekassen der AOK Bayern, des BKK Landesverbandes Bayern, der IKK classic, der Knappschaft, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau – SVLFG als Landwirtschaftliche Pflegekasse und der Kaufmännischen Krankenkasse KKH.

Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung.

Wer kann an der Präventionsmaßnahme teilnehmen?

An der Präventionsmaßnahme "Gutes Sehen" können vollstationäre Pflegeeinrichtungen in Bayern teilnehmen. Wenn Sie als Einrichtungsleitung Interesse daran haben, füllen Sie bitte das nachfolgende Bewerbungsformular aus und lassen es uns zukommen.
Sie können natürlich auch gerne direkt Kontakt mit uns aufnehmen.
Sabine Kampmann, Leiterin der Präventionsmaßnahme
Telefon 09 31 / 20 92 - 23 05
E-Mail sabine.kampmann@blindeninstitut.de

Warum ist die Teilnahme an der Präventionsmaßnahme sinnvoll?

Gutes Sehen ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen möglichst lange selbstbestimmt leben und aktiv bleiben können.

Denn gutes Sehen
  • fördert die Mobilität und verhindert Stürze
  • ermöglicht mehr Teilhabe am Leben (z. B. an Gemeinschaftsaktivitäten, Lesen der eigenen Post/Zeitung, Fernsehen)
  • fördert die Selbstständigkeit im Alltag (z. B. beim Essen, bei der Körperhygiene)
  • stärkt die kognitiven Ressourcen
  • erhält die psychische Gesundheit
  • wirkt sich positiv auf die Lebenszufriedenheit aus.

Mit dem Präventionsprogramm „Gutes Sehen" in Pflegeeinrichtungen wird für alle Beteiligten in Pflegeeinrichtungen die Bedeutung guten Sehens im Alter bewusst gemacht und mit Hilfe von Maßnahmen eine Entwicklung zur sehbehindertengerechten Einrichtung angestossen.

Welche Leistungen umfasst die Präventionsmaßnahme?

Die Präventionsmaßnahme erfolgt in enger Absprache mit den teilnehmenden Pflegeeinrichtungen und sieht folgende Leistungen und Einzelmaßnahmen vor:
  • Beratung der Leitungsverantwortlichen rund um das Thema „sehgerechte“ Einrichtung
  • Prüfen der Einrichtung im Hinblick auf Barrierefreiheit
  • Sehüberprüfung von Bewohnerinnen und Bewohnern
  • Beratung der Bewohnerinnen und Bewohner über Hilfsmittel und Unterstützungsangebote
  • Informationsangebote für Angehörige
  • Fortbildung für die Beschäftigten der Pflegeeinrichtung und Sensibilisierung für die Bedeutung von gutem Sehen
  • Vernetzung der Pflegeeinrichtung mit einem regionalen Netzwerk von Orthoptisten, Augenärzten, Low-Vision-Augenoptikern, Rehabilitationslehrern, Sehbehinderten- und Blindenselbsthilfegruppe

Diese Leistungen sind im Rahmen der Präventionsmaßnahme für die teilnehmenden Pflegeeinrichtungen kostenfrei.

Warum richtet sich die Präventionsmaßnahme an Bewohner in Pflegeeinrichtungen?

Wie eine wissenschaftliche Studie im Rahmen des Modellprojekts "Sehen im Alter" gezeigt hat, weist die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner in Senioreneinrichtungen rund um das Sehen Lücken auf. Zum Beispiel lag bei jedem fünften Studienteilnehmer eine akut behandlungsbedürftige Augenerkrankung vor.

Das liegt sicher auch daran, dass nur jeder fünfte Bewohner wie empfohlen innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate beim Augenarzt war. Auch der letzte Optikerbesuch war bei den meisten viel zu lange her.

Erfreulicherweise konnte das Sehvermögen bei vielen Studienteilnehmern mit Sehbehinderung oder mäßiger Sehbeeinträchtigung allein durch eine Korrektur der Brille verbessert werden. Anderen half eine Anpassung ihrer Wohnumgebung durch zusätzliche Beleuchtung oder höhere Kontraste.

Die Präventionsmaßnahme möchte Bewohner, Angehörige und Beschäftigte von Pflegeeinrichtungen dafür sensiblisieren, wie wichtig gutes Sehen im Alter ist. Es zeigt auf, welche Möglichkeiten es gibt, Menschen mit einer Sehbeheeinträchtigung wieder mehr Mobilität, Selbstständigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zurückzugeben.