Kernkompetenz Sehen

Alle im Blindeninstitut betreuten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind, neben Einschränkungen in ihrer geistigen und zum Teil körperlichen Entwicklung, sehbehindert oder blind.

Dabei führt allein eine Beeinträchtigung des visuellen Sinns zu einer massiven Einschränkung auch in anderen Entwicklungsbereichen, wie zum Beispiel …

… bei der Kontaktaufnahme: Wer keinen Blickkontakt aufnehmen und die Mimik seines Gegenübers nicht erkennen kann, tut sich schwerer bei Kontaktaufnahme und Kommunikation.

… bei Spielverhalten und Eigenaktivität: Ein Kind mit Sehbeeinträchtigung zeigt kein Interesse an einem Spielzeug, das es nicht wahrnehmen kann, und wird auch nicht danach greifen.

… bei der motorischen Entwicklung: Ohne visuellen Eindruck gibt es beispielsweise für den stark sehbehinderten Jugendlichen keinen Grund, seinen Kopf zu heben.

… beim Verhalten: So zeigt eine junge Frau heftiges Erschrecken bei Berührung, da sie nicht sieht, dass eine Hand sich ihr nähert.

Nur wenige der von uns betreuten Menschen sind vollständig blind, d. h. ohne jegliche visuelle Wahrnehmung. Der größte Teil ist sehbehindert. Aus un­ter­schied­li­chen Ur­sa­chen und in un­ter­schied­li­chem Grad ist ihre Fä­hig­keit der vi­su­el­len Wahr­neh­mung stark ein­ge­schränkt. Diese Menschen brauchen deshalb vielfältige Förderung und Unterstützung, um das vorhandene Sehpotenzial im Alltag nutzen zu können. Dabei ist das Entdecken des eigenen Sehens, der Freude am visuellen Eindruck ein neuerfahrenes Stück Selbstständigkeit und damit neue Lebensqualität.

Menschen mit Blindheit unterstützen wir durch fachlich fundierte pädagogische und therapeutische Maßnahmen, ihre verbliebenen Sinne optimal zu nutzen und einzusetzen. Dies geschieht z. B. durch:

  • die Förderung in den ersten Lebensjahren im Elternhaus durch unsere Frühförderung „Sehen“,
  • besondere Berücksichtigung und Förderung des Sehpotenzials der einzelnen Schüler im Rahmen des Unterrichts, der Alltags- und Freizeitgestaltung,
  • eine umfassende Einschätzung der vorhandenen Sehfähigkeiten im Rahmen einer individuellen Diagnostik, z. B. mittels orthoptischer Überprüfung und der „Entwicklungs- und Förderdiagnostik des Sehens“ (EFS),
  • Sehförderung in eigens dafür eingerichteten Sehförderräumen,
  • Unterstützung und Beratung von blinden und sehbehinderten Schülern und ihren Lehrern an Förderschulen mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung durch den „Mobilen sonderpädagogischen Dienst Sehen und weiterer Förderbedarf“,
  • Anpassung unserer Räumlichkeiten auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit, zum Beispiel durch eine spezielle Ausleuchtung oder bauliche Anpassungen im Haus und Gelände,
  • Entwicklung, Herstellung und Einsatz von speziellen Spiel- und Fördermaterialien.