Diagnostik Sehen und CVI

Vielfach werden gerade Kinder und Jugendliche mit Mehrfachbehinderung und mit visuellen Wahrnehmungsstörungen nicht umfassend diagnostiziert. Auch bei Menschen mit Sehstörungen nach Unfall, Schlaganfall oder neurologischen Erkrankungen ist die medizinische Diagnostik nicht immer eindeutig.
Angebunden an das Beratungszentrum Sehen ist eine spezialisierte Anlaufstelle für Betroffene mit Verdacht auf visuelle Wahrnehmungsstörung.

Diagnostik Sehen und Visuelle Wahrnehmungsstörungen

Sehprobleme haben vielfältige Erscheinungsformen, deren Ursachen sowohl im Auge als auch in der Verarbeitung der visuellen Informationen liegen können.
Die Diagnostik im Beratungszentrum Sehen besteht daher in der Regel aus einer orthoptischen und psychologischen Abklärung.

Orthoptische Untersuchung prüft Sehvermögen

Vor der orthoptischen Untersuchung sollte ein augenmedizinscher Befund vorliegen.
Die orthoptische Diagnostik (Abklärung des Sehvermögens) beinhaltet eine umfangreiche Überprüfung der Augenmotorik und der sensorischen Leistungen (z.B. Kontrast und Farbe):
 

  • Sehschärfe in Ferne und Nähe
  • Gesichtsfeld
  • Kontrastsehen
  • Blickbewegungen (Fixation/Sakkaden/Folgebewegungen)
  • Farbensehen
  • Überprüfung der Veränderung von Sehleistungen bei Veränderung von Umweltbedingungen

Psychologische Untersuchung klärt die Wahrnehmung mit den Augen

In der psychologischen Wahrnehmungsdiagnostik wird ein umfassendes Bild der visuellen Wahrnehmungsauffälligkeiten erfasst.
Die Abklärungen beziehen sich auf:

  • Such- und Explorationsverhalten, visuelle Aufmerksamkeit und Ausdauer, Schwankungen der Sehleistungen
  • Erkennen von Objekten und Personen, Formen, Zahlen, Buchstaben oder Bildern
  • visuell gesteuertes Handeln beim Zeichnen, Bauen, Basteln und anderen räumlich konstruktiven Leistungen
  • Orientierung und Fortbewegung

Was sind visuelle Wahrnehmungsstörungen?

Neben den durch eine Schädigung der Augen verursachten Blindheit und Sehbehinderung sprechen wir von visuellen Wahrnehmungsstörungen, wenn wir Beeinträchtigungen von Sehen und visueller Wahrnehmung finden, die Folge einer cerebralen Verarbeitungsstörung sind.

Hier liegt die Ursache der Störung in der Regel nicht an den Schädigungen des Auges, sondern findet sich vor allem bei einer fehlerhaften Verarbeitung im Gehirn.
Diese Störungen können Auswirkungen auf das Gesichtsfeld, den Visus und das Farb- und Kontrastsehen haben und damit den okularen Schädigungen ähneln. Sie können sich auf die Blickmotorik und visuell gesteuerte Hand- und Fingerbewegungen beziehen, etwa auf genaues Hantieren, Zeichnen und Schreiben. Sie können aber auch die Raumwahrnehmung, die Form-, Objekt- und Gesichterwahrnehmung oder das Such- und Explorationsverhalten betreffen.

Dies kann zu beträchtlichen Einschränkungen und Auswirkungen führen, welche zu ähnlichen Problemen führen, wie bei Menschen mit einem eingeschränkten Visus.
Diese Auswirkungen beziehen sich auf Probleme beim Lesen, Arbeiten am PC, der Orientierung und Mobilität im Alltag, der Selbständigkeit, einem eingeschränkten.