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Nach so vielen Jahren in der TSK 1 verspürte ich nun

aber den Wunsch zu wechseln. Ich wollte gerne wie-

der in einer Wohnschulklasse arbeiten wie zu Beginn

meiner „Blindi-Zeit“ und stellte einen Antrag auf Ver-

setzung. Ich freute mich sehr, als ich die Information

von unserer Schulleiterin Katrin von Vogt bekam, dass

ich mit Beginn des Schuljahres 2015/2016 in die Klasse

A2 wechseln würde.

Und dann war es soweit.

Jetzt galt mein Blick nicht mehr dem Vermitteln von

Lesekompetenzen. Auch wenn ich in der Tagesschul-

klasse immer wieder mit Kommunikationstechniken,

wie dem Einsatz von

Bezugsobjekten, dem

Gebärden oder dem

Umgang mit dem Talker

konfrontiert war, hier

in der Schulklasse

A2 nehmen weitere

unterschiedlichste

Kommunikationstech-

niken einen großen

Stellenwert ein. Wäh-

rend meines ersten

Schuljahres in dieser

Klasse sammelte ich

Erfahrungen mit der

Methode „Unter der Hand“ und lernte, die individuel-

len Gebärden der einzelnen Schüler zu verstehen. Ich

lernte verschiedene elektronische Kommunikations-

mittel kennen, wie den „GoTalk 32“, setzte entspre-

chend unserer Unterrichtsinhalte verschiedene Taster

zur Gestaltung von Gesprächen mit den Schülern ein.

Förderlich waren hierbei auch die Gebärden von Kest-

ner und die Metacomsymbole. Einige kannte ich schon

aus meiner früheren Klasse, nun kamen neue dazu. Da

es im Schulalltag der Klasse A2 vermehrt Situationen

der Förderpflege gibt, konnte ich auch diese sehr gut

nutzen, um die Möglichkeiten zur Äußerung von Wün-

schen und Bedürfnissen der Schüler zu erfahren und

mit ihnen gemeinsam zu erarbeiten.

Besonders beeindruckend fand ich in diesem

Schuljahr, wie es möglich ist, auch mit Schülern

mit komplexer Mehrfachbehinderung, zusätzlichen

Sinnesbeeinträchtigungen und fehlender Lautsprach-

kompetenz eine gemeinsame Sprache zu finden. Ein

großes Dankeschön an dieser Stelle an Carola Döring,

der Förderschullehrerin der Klasse, die mir mit ihrem

Können und Wissen half, eine gemeinsame Sprache

mit unseren Schülern zu entdecken.

Nach einem Jahr in der Klasse A2 kann ich sagen,

dass ich einen sehr viel intensiveren Blick auf Kommu-

nikation gewonnen habe. Ich denke aber auch, durch

meinen Wechsel in diese Klasse erhielten die Schüler

einen neuen Blick auf ihre Welt. Das Wissen und

meine Erfahrungen im Bereich des Sehens aus meiner

bisherigen Arbeit im Blindeninstitut waren hierbei

sehr hilfreich.

Mit dem Blick auf die Zukunft freue ich mich nun auf

die weitere gemeinsame Arbeit und bin auf die kom-

menden Gespräche mit den Schülern gespannt.

Katrin Distel,

Sonderpädagogische Fachkraft

Bentheim-Schule