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Kommunikation einsetzen. Somit erlangte Carla einen

höheren Grad an Selbstbestimmung.

Es zeigte sich einmal mehr, wie wichtig das Bedürfnis

des Verstandenwerdens für Menschen ohne Laut-

sprache ist. Die gemeinsame Interaktion trägt maß-

geblich zum körperlichen Wohlbefinden bei. Bei Carla

zeigten sich positive Verhaltensveränderungen. Ihr

Interesse an ihren Mitmenschen und an ihrer Umwelt

wuchs. Sie beteiligte sich aktiv am Unterrichtsge-

schehen und wirkte zufrieden und ausgeglichen.

Besonders intensiv gestalteten sich die Einzelförde-

rungen. Carla beteiligte sich sehr emotional an den

Inhalten. Fanden wir ein gemeinsames Thema, zeigte

uns Carla ihre Ergriffenheit. Tränen der Rührung wa-

ren nicht selten Ausdruck dessen. Tief bewegt genos-

sen wir gemeinsam diese Augenblicke der Begegnung

auf Augenhöhe.

Hoch hinaus ging es für Carla auf dem Reiterhof. Über

einen längeren Zeitraum nahm Carla regelmäßig an

Ausflügen dorthin teil. Sie lernte im Kontakt mit den

Therapiepferden, dass Sprache nicht alles ist. Ein-

fühlsame Begegnungen mit den Pferden ermutigten

sie. Zunächst zaghaft berührte sie die Pferde und ließ

sie ganz nah an sich heran. Die ersten Reitversuche

waren von großer Unsicherheit geprägt. Das Gefühl

des Bewegtwerdens ohne Hilfsmittel auf dem schau-

kelnden Rücken waren vollkommen neue Erfahrungen.

Mittlerweile kann Carla alleine auf dem Pferd sitzen

und genießt die Reitübungen. Zum Abschluss ihrer

Schulzeit konnte sie noch einmal einen Tag mit ihren

Mitschülern auf dem Röthof verbringen und verblüffte

alle mit ihren Fähigkeiten.

Im letzten Schuljahr erlebte Carla den Umzug ihrer

Klasse/ Wohngruppe vom Robert-Koch-Haus in das

Kniese-Haus. Unsere positiven Erfahrungen vor,

während und nach diesem einschneidenden Erlebnis

nutzen wir nun, um Carla gut auf den Übergang in den

Erwachsenenbereich des Blindeninstituts Thüringen

vorzubereiten.

Liebe Carla, wir danken dir, dass du uns Einblicke in

deine Welt gewährt hast und für deine Geduld mit uns

beim Finden geeigneter Kommunikationsmittel.

Liebe Carla, wir wünschen dir in deiner neuen Wohn-

gruppe viele Begegnungen auf Augenhöhe, Verständ-

nis und Mitgefühl.

Liebe Carla, wir hoffen, dass du dich gerne an deine

Schulzeit erinnerst und würden uns sehr freuen, wenn

du uns ab und zu besuchst.