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Vorwort

„Die Sprache ist das Haus des Seins“

(M. Heidegger)

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht sind Sie überrascht, dass wir als Stiftung mit

dem „Förderschwerpunkt SEHEN“ für das Vorwort

unseres Jahresberichtes ein Zitat des Philosophen

Martin Heidegger wählen, das Ihre Aufmerksamkeit

auf die Bedeutung der Sprache für unser Leben lenkt.

Doch wir tun das mit gutem Grund, der der Vielfalt

und Komplexität der Behinderungen geschuldet ist,

von denen die allermeisten sehbehinderten oder

blinden Menschen, die wir begleiten, betroffen sind:

So hat eine interne Untersuchung über alle Bereiche

und Standorte der Blindeninstitutsstiftung hinweg

ergeben, dass mehr als 60 Prozent der mehrfachbe-

hinderten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit

Sehbehinderung oder Blindheit über keine verbale

Sprache verfügen. Das heißt, sie können sich nicht in

Worten ausdrücken und begreifen vielfach auch die

Bedeutung der Begriffe, die wir ganz selbstverständ-

lich benutzen, nicht oder nur schwer.

Was das existentiell für das eigene Leben bedeutet,

lässt uns ein Zitat der taubblinden amerikanischen

Schriftstellerin Helen Keller erahnen, die ihre Situation

so ausdrückte:

„Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den

Menschen!“

Die Menschen, die wir in der Blindeninstitutsstiftung

begleiten, sind stark sehbehindert oder blind. Manche

von ihnen sind taubblinde Menschen und fast alle sind

Menschen mit intensiven Mehrfachbehinderungen,

von denen fast zwei Drittel aus unterschiedlichsten

Gründen keine Worte/verbale Sprache sprechen

können. Damit unterliegen sie der Gefahr, von den

Erst den realen Gegen-

stand ertasten

Dann die Umsetzung in

ein taktiles Symbol