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Die große Walhalla zum Anfassen klein

An einem wunderschönen, eiskalten Wintertag

trafen sich eine Schulklasse aus dem Blindeninstitut

Regensburg, eine Gruppe aus dem Erwachsenenbe-

reich des Blindeninstituts und drei Mitarbeiter des

staatlichen Bauamtes in Regensburg vor einem der

bedeutendsten deutschen Nationaldenkmäler des 19.

Jahrhunderts. Der Walhalla.

In frostigem Sonnenschein steht das klassizistische

Gebäude, erhaben, mächtig, prachtvoll. Der weite

Blick über die Donau tut sein Übriges. Damit sich auch

Menschen mit Behinderung, vor allem mit einge-

schränktem Sehvermögen bzw. Blindheit ein „Bild“

von der prachtvollen Architektur machen können, fand

eine sogenannte 3D Bestandserfassung der Walhalla

statt. Ziel war die verformungsgerechte 3D-Aufnahme

der Walhalla von außen, innen und dem stollenartigen

Unterbau des gesamten Bauwerks zu realisieren und

daraus die für die anstehenden Arbeiten notwendigen

aktuellen und präzisen Architekturpläne, Ansichten,

Orthofotos, Grundrisse und Schnitte abzuleiten.

Einige Zeit stand ein 3D Modell aus einem Gips

Kunststoff Gemisch in der Aula des Blindeninstituts

Regensburg. Kinder und Jugendliche hatten bereits

hier die Möglichkeit zu tasten und zu fühlen und ganz

wichtig für die weitere Entwicklung des Modells,

Feedback zu geben, was sie tatsächlich über den

Tastsinn erspüren können, oder was eventuell noch

abgeändert und optimiert werden muss.

Als Ergebnis liegt schließlich ein vollständiges 3D-

Modell in Bronze, mit einem kompletten CAD-Plansatz

auf dem aktuellen Stand vor. Dieses steht direkt vor

dem großen Original freut sich über jede Berührung.

Vor Ort konnten sich die Kinder, Jugendlichen und

Erwachsenen mit Sehbehinderung, Blindheit und

weiterem Förderbedarf nun einen eigenen Eindruck

verschaffen. Es wurde gefühlt und gestaunt. Auch

wurde jedem schnell klar, dass das Material die Au-

ßentemperatur aufnimmt. Denn zum Fühlen muss man

die Handschuhe ausziehen. Eine spannende Sache.