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Mobiler Sonderpädagogischer Dienst Sehen

Schulstart mit Sehbeeinträchtigung

In Bayern startet jährlich Anfang April die Schulan-

meldung für die Grundschulen. Die „Einschulung“

verursacht bei den Eltern sehbehinderter oder blinder

Kinder häufig eine Phase großer Verunsicherung und

tiefer Zweifel: Ist mein Kind schon so weit? Wird es

in der Klasse und auf dem Pausenhof mit den anderen

„wilden“ Schülern zurechtkommen? Wo soll mein Kind

sitzen? Wie muss der Arbeitsplatz gestaltet sein?

Werden wir als Eltern mit unseren Sorgen und Wün-

schen ernst genommen?

Woher bekommen wir

Unterstützung, wenn

jetzt die Frühförderung

endet? Diese Fragen

und Sorgen sind dem

Mobilen Sonderpäda­

gogischen Dienst im

Förderschwerpunkt Se-

hen (MSD) vertraut, der

Schülerinnen und Schü-

ler mit Beeinträchtigung

des Sehens und der

visuellen Wahrnehmung an Regelschulen und anderen

Förderschulen unterstützt. In enger Zusammenarbeit

mit der Frühförderung und den Eltern wird hier der

Übergang in die Grundschule oder die Eingangsstufe

der Förderschule gestaltet.

Es gibt keine Pauschalrezepte, denn die nötigen

Maßnahmen zur Unterstützung sind so vielfältig und

individuell wie die Sehbeeinträchtigungen der betrof-

fenen Kinder. Insofern bilden augenmedizinische und

orthoptische Diagnostik sowie Befunde zum Funk-

tionalen Sehen die unerlässliche Grundlage für die Be-

ratungs- und Unterstützungsarbeit in der Schule und

im Elternhaus. Ihre Auswertung liefert passgenaue

Hinweise für die Beratung der Lehrkräfte, Eltern und

Schüler bezüglich Maßnahmen der Gestaltung von

Arbeitsplatz, Lernmaterial und Unterricht.

Sitzposition im Klassenraum

Die eingeschränkte Sehschärfe für die Ferne (Visus)

erfordert meist eine möglichst kurze Distanz zur Tafel

oder sonstigen Präsentationen, also in der ersten

Reihe mittig. Variiert wird diese Grundposition durch

vorhandene Gesichtsfeldausfälle und Kopfhaltungen

– starke Kopfdrehungen sollten vermieden werden –

Blendempfindlichkeit oder zusätzliche Beeinträchti-

gungen im Hören oder in der körperlich motorischen

Entwicklung sowie dem Einsatz z.B. eines Bildschirm-

lesegeräts. Unter Berücksichtigung der gesamten

Befundlage wird dann die günstigste Sitzposition

festgelegt. Bei der Wahl der Sitzposition muss auch

berücksichtigt werden, dass der Kontakt mit den Mit-

schülern nicht verhindert wird und der sehbehinderte

Schüler hinter seinen Geräten nicht in soziale Isolati-

on gerät. Das würde dem Geist von Inklusion zutiefst

widersprechen.

Arbeitsplatzgestaltung

Für Schüler mit Blindheit spielen bei der Wahl des

Arbeitsplatzes vor allem der barrierefreie Zugang und

die mögliche Positionierung zusätzlicher Arbeitsflä-

chen zum Aufstellen der nötigen Gerätschaften und