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Sternstunden-Besuch im Haus für taubblinde und

hör-sehbehinderte Kinder und Jugendliche

„Hallo Franz, ich bin die Harmit“, langsam erscheint

der Satz auf dem Bildschirm, vor dem Dr. Franz

Wirnhier, Vorstandsvorsitzender der LBS Bayern, im

Klassenzimmer des Hauses für taubblinde und hör-

sehbehinderte Kinder und Jugendliche sitzt. Harmit,

eine junge Frau, die nicht hören und nicht sehen kann,

hat ihn in ihre Braillezeile getippt, um dem Besucher

zu zeigen, was mit moderner Technik möglich ist. Die

Atmosphäre ist entspannt. Immer sind die Hände der

Dreiundzwanzigjährigen in Bewegung. Sie erzählt

dem Gast in ihrer Sprache, dem taktilen Gebärden,

von ihrem Alltag. Übersetzt wird der Dialog von ihrer

Lehrerin Nina Holzinger. Auch den altbewährten tast-

baren Globus und taktiles Unterrichtsmaterial lernt Dr.

Wirnhier kennen und erfährt so, dass Harmit aus In-

dien kommt. Als Förderpartner von Sternstunden, der

Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, hat sich

der Vorstandsvorsitzende Zeit genommen, um persön-

lich zu schauen, wie junge Bewohner in dem Schul-

und Wohnhaus für taubblinde Kinder und Jugendliche

im Würzburger Blindeninstitut leben. Begleitet wird er

von einem Kamerateam des Bayerischen Rundfunks,

das für die Sternstundengala im Dezember einen

kurzen Film dreht.

Vor fünf Jahren war das Haus dank der Unterstützung

von Sternstunden generalsaniert worden. „Mit dem

Umbau konnten wir die Anforderungen moderner pä-

dagogischer Standards erfüllen, die unseren Schülern

z.B. durch tastbare Etagensymbole oder durchgehen-

de Handläufe im ganzen Haus eine eigene Orientie-

rung und Mobilität ermöglichen“, erklärt Schulleiterin

Heike Sandrock. Und Harmit macht es gleich vor, führt

Dr. Wirnhier vom Klassenzimmer in ihre Wohngruppe,

eine Etage tiefer. Ein eigenes Zimmer hatte Harmit

sich schon lange gewünscht, durch den Umbau war

es möglich geworden. Stolz zeigt sie ein fast zim-

merhohes Regal mit Tagebüchern, die sie alle selbst

geschrieben hat.

Und auch den fünfjährigen Lukas lernt Dr. Wirnhier

kennen. Er trifft ihn im Musikraum des Taubblinden-

hauses. Für den aufgeweckten Jungen ist im ersten

Moment der Stativständer des Kamerateams inte-

ressanter als die Klangwiege, in die er sich legen

soll, um die Töne zu erspüren. Vorsichtig drehen die

kleinen Finger an den Flügelschrauben des Tele-

skopstabs, wird das Metall gefühlt und auch mal

der Geschmack geprüft. Als Dr. Wirnhier dann aber

vorsichtig an den Klangseiten der halbrunden Wiege

zupft, konzentriert sich der Fünfjährige auf die Vibra-

tionen, die das Holz auf seinem Rücken erzeugt und

lacht fröhlich.