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mit der taktilen Erfahrung abzugleichen. Durch das

häufige Wiederholen dieser Vorgänge speichern sich

im Gehirn Hör- bzw. Schallbilder ab, die dann in späte-

ren Situationen wieder abgerufen werden können und

einer schnelleren Orientierung dienen.

Umwelterfahrung durch Schallbilder

Frau Prof. Dr. Renate Walthes von der TU Dortmund

erläuterte in einem Vortrag beim VBS-Kongress in

Graz 2016, dass über 90% der visuellen Wahrnehmung

eines gesunden Erwachsenen die reine verarbeitende

Gehirnleistung umfasst. Wir können Situationen so

schnell einschätzen, weil wir x-fach Bilder ähnlicher

Situationen im Laufe unseres Lebens abgespeichert

haben. Ähnlich ist es mit dem Wiederabruf von

Schallbildern. Juan Ruiz erklärt, dass er sich vor allem

dadurch in der Umwelt orientieren kann, weil er schon

als Kind sehr explorationsfreudig war und permanent

seine Umwelt erkundet hat. Durch dieses und durch

die spätere Schulung in Klick-Sonar bei Daniel Kish

hat er sehr viele Schallbilder abgespeichert, die es

ihm ermöglichen, neue Situationen schnell und sicher

einzuschätzen.

Die Klick-Sonar-Technik stellt eine fortgeschrittene

und exaktere Variante der Hörschulung dar, wie sie

bereits in der Frühförderung angebahnt und auch in

der Schulung in Orientierung und Mobilität durch die

entsprechenden Trainer vermittelt wird. Diese Metho-

de ist eine weit differenzierte/entwickelte Technik der

Hörschulung, die es blinden und hochgradig sehbehin-

derten Menschen ermöglicht, sich selbständig in ihrer

Umwelt zu bewegen. Die Basis dieser Technik jedoch

ist die mutige Exploration der Kinder in ihrer Umwelt

und die ebenso mutige Entscheidung der Eltern, sie

darin nicht zu behindern, sondern ein Anstoßen,

Stolpern oder Stürzen, als ganz normale Erfahrung

eines jeden Kindes zu sehen.

Obwohl die Klick-Sonar-Methode eine Möglichkeit

ist, die Umgebung sowohl in der Nähe, als auch in

größeren Distanzen zu erfahren, sollte sie nicht als

alleiniges Orientierungsmedium eingesetzt werden.

Sie gibt bspw. keine sichere Information über ab-

wärtsfallende Stufen und über schmale Hindernisse,

wie z. B. Pfosten von Straßenschildern. Insbesondere

Kinder müssen eine innere „Schalllandschaft“ erst

aufbauen. Deshalb ist der Einsatz des Langstockes für

eine sichere Fortbewegung unerlässlich.

Maria Wiesner