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Therapie – Die Gartengruppe

Im Herbst 2016 wurde auf Initiative der Ergotherapeu-

ten Katharina Bils und Stefan Häusler eine innovative

Gartengruppe als Therapieangebot im Blindeninstitut

gegründet. Sie findet seither einmal wöchentlich statt.

Angefangen haben wir mit 2 Mörtelkübeln und 60 Liter

Erde, in die Bewohner Tulpenzwiebeln einsteckten

und Kresse ansäten. Im Frühjahr konnten wir durch

unsere frisch geerntete Kresse wahre Genussorgien

mit den Bewohnern feiern und herzhaft in eine ganze

Kressequark-Brotscheibe beißen.

Weiter ging es dann interdisziplinär, zusammen mit

zehn medizinischen Therapeuten aus den verschie-

denen Fachgebieten, die uns unterstützten. Ziel war

es, die alten schönen Obstbaumschätze, ca. 10 an

der Zahl, zu schneiden, um wieder neues Leben in die

Bäume einzuhauchen und gesundes frisches Obst für

alle hier auf dem Gelände zu erhalten.

Schön war auch, den Kindern und Erwachsenen

„richtige schwere Arbeit zu zeigen“. Mit Hilfe vieler

Therapeuten, dem Gärtner Sennad als Unterstützung

und einer Motorsäge, kam bei 4 Terminen viel Altholz

zusammen, das begierig aufgesammelt wurde und

Eigenständigkeit und Wahrnehmung förderte. Die

groben Äste konnten wir für einen Totholzhaufen als

Erweiterung des Wildbienenhotels nutzen oder an

ungemütlichen Tagen ein Klangmobile daraus bauen.

Die kahlen Hänge des Schulgartens bepflanzten wir

im Lauf des Frühjahrs mit trockenheitsresistenten

Wildstauden. Als weiteres Projekt folgte der Bau

einer Trockenmauer.

Im Sommer halfen dann wieder alle Therapeuten mit

den Bewohnern das „Unkraut“ in der neu gepflanzten

Erinnerungsstätte am Haus 5 zu jäten und den Gärt-

nern das Wässern abzunehmen. Mittlerweile ergeben

sich hieraus vielfältige Kooperationen im ganzen Ins-

titut und es macht allen Spaß auch spontan mitzuma-

chen und anzupacken.

Im August galt es, das Obst zu ernten und selbst

gezogene Stockrosen an die Frau oder den Mann zu

bringen. Nach einer kurzen E-mail an alle meldeten

sich rasch die ersten Gruppen. Zwetschgen, Ringlo,

Falläpfel und herrliche Mirabellen wurden jetzt zu

leckeren „Schmusies“ (Smoothie) verarbeitet. Diese

entsprachen natürlich auch Schluckkoststufe 2 und

so konnten alle Bewohner mal probieren, was hier auf

dem Gelände im Sinnes- und Erlebnispark so wächst.

Leider ist die Apfelernte nicht so rosig ausgefallen,

aber ich denke, wir haben den Grundstein für ein

längerfristiges Projekt gelegt.

Bei unseren Gartenarbeiten konnten wir auch wahre

botanische Schätze entdecken. So haben wir hier die

Bezirkspflanze Unterfrankens im Schulgarten: Den

Diptam, den man sonst nur südlich der Alpen bestau-

nen kann, oder an vier Plätzen in Unterfranken. Er

riecht nach Zitronen und Limonen und schaut aus wie

eine Orchidee.

Weitere Projekte werden folgen und wir sind bereits

am Planen eines Hochbeetes.

Dieses Projekt konnte schon im ersten Jahr so erfolg-

reich werden, weil sich viele Helfer und unterstützen-