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Blindeninstituts, Markus Rummel, getroffen. Begeis-

terter Applaus nach dem Einstieg mit der Kleinen

Nachtmusik von Mozart zeigte das gute Fingerspitzen-

gefühl für den Geschmack des Publikums. Mit kleinen

pointierten Moderationen führte Beate Kröhnert

durch den Nachmittag. Sie lud drei erwachsene

Bewohner ein, sich mit Stuhl und Rollstuhl mitten

unter die Musiker zu mischen und zwischen Geigen,

Cello und Kontrabass in die Klangwelt des Orchesters

hautnah einzutauchen.

Imposant und eindrucksvoll war für alle Zuhörer auch

der Klang des Trompetensolos von Johannes Mauer,

das durch seine unmittelbare Nähe direkt unter die

Haut ging. Naturgewaltig wurde es, als die Musiker

bei der schnellen Polka von Johann Strauß zeigten,

wie ein Orchester Donnergrollen und Blitz lebendig

werden lässt. Der Radetzki-Marsch war der Publi-

kumsliebling und erntete tosenden Schlussapplaus am

Ende des Konzerts. Dass die Musik begeistert und die

Menschen – jeden auf seine Weise – erreicht hatte,

spürten alle im Raum.

Für einige der Jugendlichen und Erwachsenen wurde

der Nachmittag noch ein bisschen besonderer, als

sie selber einmal die Instrumente in die Hand nehmen

konnten, das weiche geschwungene Holz des Klang-

körpers von Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass

fühlten. Einige mutige führten sogar den Bogen über

die Saiten und hörten oder erfühlten so den Klang der

Töne direkt am Instrument, was mit konzentrierten

und strahlenden Gesichtern kommentiert wurde.

Die Idee zu dem Konzert im Blindeninstitut hatte

Generalmusikdirektor Calesso, als er bei einer Veran-

staltung mit einer Mitarbeiterin des Blindeninstituts

ins Gespräch kam. Enrico Calesso beschäftigte sich

schon länger mit der Idee, dass das Erlebnis live

gespielter Konzertmusik jedem Menschen zugänglich

sein sollte. „Musik muss zu jedem Menschen kommen,

auch zu denen, die sonst keine Möglichkeit haben ein

öffentliches Konzert zu besuchen oder in ein Theater

zu gehen“, sagt er. Schon einmal hat der General-

musikdirektor gute Erfahrungen gemacht, als er und

sein Orchester Menschen mit Demenzerkrankung ein

solches Konzert geschenkt haben. Und auch im Blin-

deninstitut wird es wohl nicht das einzige bleiben, wie

der Musiker beim Abschied signalisierte.

Sabine Tracht