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eigneten Hilfsmitteln oder Projekten, die sich mit die-

ser Thematik auseinandersetzen. Zahlreiche Anfragen

und Nachforschungen in pädagogischen und interna-

tionalen, wissenschaftlichen Netzwerken brachten

viele interessante Hinweise und Anregungen zutage,

setzten sich jedoch nicht oder nur bedingt mit dieser

besonderen Form der Fragestellung auseinander.

Dies führte zur Geburt der VIBEONIC Projektidee. Ich

entwarf eine Projektskizze und im Dialog mit verschie-

denen Mitarbeitern des Blindeninstituts wurden

Thesen und Fragestellungen entwickelt. Im kleinen

Rahmen konnte ich auch schon erste vibrotaktile

Angebote für ausgewählte Bewohner realisieren.

Im Juli 2016 hatte ich dann die Gelegenheit zu einem

intensiven, persönlichen Austausch mit Prof. Dr. König

vom Institut für Kognitionswissenschaft der Univer-

sität Osnabrück, Entwickler des vibrotaktilen Feel

Space Gürtels und Herrn Prof. Amir Amedi vom Lehr-

stuhl der medizinischen Neurobiologie der Universität

Hebron, Entwickler des Eye music Konzeptes. Beide

forschen seit vielen Jahren im Bereich der sensori-

schen Substitution. In den Gesprächen konnten die

grundsätzlichen Überlegungen bestätigt und durch

zahlreiche Denkanstöße bereichert werden. Beson-

ders Herr Prof. Dr. König ermutigte mich, an dieser

Idee weiter zu arbeiten, da er sie für vielversprechend

halte und er kein Projekt kenne, welches sich mit die-

ser speziellen Fragestellung auseinandersetzt.

Projektstart von Vibeonic

Seit November 2016 entwickle ich nun also im Rah-

men der Förderstätte entsprechende Angebote.

Diese basieren auf den besonderen Bedürfnissen der

Bewohner mit starker Hörminderung.

Das Projekt Vibeonic, soll durch aktiv erlebte Zuwen-

dung, eine behutsame, durch den Bewohner steuer-

bare, erweiterte Möglichkeit zur Selbstwahrnehmung

und Selbstwirksamkeit schaffen. Wenn ein Bewohner

Freude an dieser Art der Eigenwahrnehmung entwi-

ckelt und beginnt sein Lautieren zu modulieren, wäre

dies eine Bestätigung der These und man könnte

aufgrund der gefestigten Eigenwahrnehmung zu einer

den gleichen Sinneskanal bedienenden Fremdwahr-

nehmung gelangen und somit in eine Kommunikation

kommen.

Die besonderen Herausforderungen bestehen dabei

in einem gelingenden Beziehungsaufbau, der Ein-

beziehung eines möglichen Lerneffektes (Plastizität

des Gehirns) sowie der Tatsache, dass es sich um die

Beschäftigung mit einem Sinneskanal handelt, wel-