Satzung der Blindeninstitutsstiftung - page 2

Präambel
Von der Überzeugung beseelt, dass blinde Menschen zu schulischer und beruflicher Bildung
fähig sind, legte Graf Moritz zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda im Jahr 1853 den Grundstein für
die Blindeninstitutsstiftung. Nach der Konstituierung des „Vereins zur Beförderung des Kreis-
blindeninstituts für Unterfranken und Aschaffenburg“ am 19. April 1853 wurde noch im selben
Jahr die erste Blindenerziehungs- und -beschäftigungsanstalt in Würzburg eröffnet.
Auf Antrag des Vereins wurde das Kreisblindeninstitut ab 1. Oktober 1858 unter die unmit-
telbare Aufsicht und Leitung der Königlich Bayerischen Regierung von Unterfranken und
Aschaffenburg gestellt. Die gleichzeitig errichtete und mit dem ganzen Vereinsvermögen
ausgestattete „Blindeninstitutsstiftung“ ist seitdem als Stiftung des öffentlichen Rechts die
Rechtsträgerin des Kreisblindeninstituts.
Im 20. Jahrhundert hat die Stiftung schwere Schicksalsschläge wie die Inflation in den 1920er
Jahren, die NS-Schreckensherrschaft, die Zerstörung der Gebäude am 16. März 1945 und die
Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg überstanden. Mit Ausdauer und unter Einsatz
aller Energien konnte der Bestand nahezu aus eigener Kraft immer wieder gesichert werden.
Mit der Neuordnung des Blindenbildungswesens im Jahre 1973 übernahm im Freistaat Bayern
die Blindeninstitutsstiftung die Betreuung von blinden und sehbehinderten Menschen mit
zusätzlichen Behinderungen. Der Einzugsbereich ist seitdem überregional und hat zur Grün-
dung von weiteren Blindeninstituten in München, Rückersdorf (bei Nürnberg), Regensburg, in
Thüringen sowie am Untermain und in Oberfranken geführt.
Der philanthropischen Haltung des Stifters verpflichtet
Moritz Graf zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda war in seiner Einstellung sehr fortschrittlich und
seiner Zeit weit voraus. So bestimmte er schon Mitte des 19. Jahrhunderts, dass „körperliche
Züchtigung“ in der Erziehung der blinden Kinder absolut verboten war. Die katholischen Or-
densschwestern wies er an, dass jedes Kind seiner Konfession und Religion „zuzuführen“ sei.
Toleranz gegenüber unterschiedlichen weltanschaulichen, politischen und privaten Lebens-
einstellungen prägt bis heute das Handeln und Wirken der Blindeninstitutsstiftung. Im Sinne
des Stifters nimmt sie wichtige gesellschaftliche und staatliche Aufgaben wahr. Sie bezieht
Stellung für die Forderungen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinde-
rung nach einem souveränen, selbstbestimmten Leben und selbstverständlicher Teilhabe aller
Menschen an allen gesellschaftlichen Prozessen. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen
in der Gesellschaft und den eigenenen Einrichtungen immer wieder neu zu schaffen und zu
erhalten ist Anspruch der Blindeninstitutsstiftung.
Johannes Spielmann
Dr. Marco Bambach
Vorstand
Vorstand
„Jeder Mensch ist einzigartig und hat ein Recht auf
Selbstbestimmung, Respekt, Würde, Heimat und Bildung“
(aus dem Leitbild der Blindeninstitutsstiftung)
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