Seite 8 - Spuren hinterlassen

8
Warum soll ich ein Testament aufsetzen? Es ist
doch alles gesetzlich geregelt!“ hören ­Anwälte
und Notare immer wieder. Das Bürgerliche
Gesetzbuch (BGB) bestimmt, wer erbt – das ist
richtig. Allerdings entsprechen die gesetzlichen
Regelungen vielleicht nicht immer Ihren Vorstel­
lungen. Nur mithilfe eines Testaments können
Sie sicher stellen, dass Ihr Wille umgesetzt wird.
Vielleicht möchten Sie ja aber auch schon zu
Lebzeiten eine gemeinnützige Organisation
bei der Erfüllung eines wichtigen gesellschaft­
lichen Auftrags finanziell unterstützen. Das
können Sie über das Spenden hinaus durch
eine ­Schenkung, die Errichtung einer Treuhand­
stiftung oder eine Zustiftung verwirklichen. Mit
den folgenden Informationen möchten wir Ihnen
einen Einblick in die rechtlichen Grundlagen
rund um das Vererben und Stiften geben.
Die Gesetzliche Erbfolge
Besteht kein Testament oder Erbvertrag tritt
die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Dabei werden
zuerst die nächsten Verwandten berücksichtigt.
Das Bürgerliche Gesetzbuch teilt die gesetz­
lichen Erben je nach Verwandtschaftsgrad in
Ordnungen ein.
Solange ein Verwandter der vorrangigen Ord­
nung beim Erbfall lebt und das Erbe annimmt,
werden alle Verwandten niedrigerer Ordnungen
von der Erbfolge ausgeschlossen. Innerhalb
einer Ordnung erben mehrere Personen nach
sogenannten „Stämmen“ zu gleichen Anteilen.
Eine Sonderstellung nimmt der
Ehegatte
oder
eingetragene
Lebenspartner
ein, da er mit dem
Erblasser nicht verwandt ist und zu keiner der
oben genannten Ordnungen zählt. Die Höhe des
Ehegattenerbteils ist abhängig vom Güterstand,
in dem die Eheleute lebten, und davon, welche
Verwandten vorhanden sind.
Die gesetzliche Erbfolge können Sie durch ein
Testament beliebig verändern. Der Gesetzgeber
hat jedoch den nächsten Familienangehörigen
(
dem Ehegatten, den Nachkommen und den
Eltern, wenn keine Nachkommen vorhanden
sind,) einen bestimmten Mindestanspruch, den
sogenannten
Pflichtteil,
zugebilligt, den sie trotz
einer Enterbung erhalten müssen.
Das Testament
Formulierung
Verfassen Sie Ihr Testament so, dass auch
jemand, der Sie nicht kennt, Ihren Willen
sofort und ohne jeden Zweifel verstehen kann.
Verwenden Sie also keine Abkürzungen, Kose­
namen oder Begriffe, die mehrdeutig sind. Auch
sollten Sie sich immer vergegenwärtigen, dass
sich Ihre Lebens- und Vermögensverhältnisse
ständig ändern.
Kleiner Ratgeber zum Schenken,
Stiften und Vererben
1.
Ordnung
Nachkommen des Erblassers (Kinder und
­
Kindeskinder)
2.
Ordnung
Eltern, Geschwister und deren Nachkommen
3.
Ordnung
usw.
Großeltern und deren Nachkommen
(
Onkel, Tante, ­Vettern/Cousinen sowie deren
­
Nachkommen)