Informationen für Angehörige und weitere Interessierte

Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen Überblick über alles, was Sie rund um das "Gute Sehen" wissen sollten. Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben, steht Ihnen unser Präventionsteam gerne zur Verfügung.
 

Die Informationen im Überblick

Altersbedingte pathologische Veränderungen am Auge

Zu den häufigsten Erkrankungen zählen die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), der Grüne Star (Glaukom), der Graue Star (Katarakt), die Diabetische Retinopathie sowie Lidfehlstellungen. Auch Gesichtsfeldeinschränkungen durch Schlaganfall oder Tumore sind nicht zu vernachlässigen. Von außen lassen sich Augenerkrankungen meist nicht erkennen.

Zur Prävention von Augenerkrankungen und daraus entstehender Sehschärfenminderung wird eine jährliche Kontrolle bei einem Augenarzt empfohlen. Menschen mit plötzlicher Sehverschlechterung, Wahrnehmung von Schatten, Blitzen oder Rußregen, schmerzenden Augen, Fremdkörpergefühl, Doppeltsehen, Verätzungen/Verbrennungen sowie Verletzungen sollten unverzüglich dem Augenarzt vorgestellt werden.

Wenn Sie einen Einblick gewinnen möchten, wie sich unterschiedliche Augenerkrankungen auswirken, dann empfehlen wir Ihnen das folgende Video der Woche des Sehens. Betroffene berichten darin über ihre ganz persönlichen Erfahrungen:
Woche des Sehens - Sehbehinderung ist nicht gleich Sehbehinderung

Katarakt (Grauer Star)

Die Katarakt ist eine Augenerkrankung, bei der die Augenlinse im Laufe des Lebens eintrübt. Das Sehen verändert sich schleichend, Farben werden blasser und Kontraste schwächer. Es besteht eine verstärkte Blendempfindlichkeit, zudem ist der Lichtbedarf erhöht. Wie die meisten Augenerkrankungen verursacht die Katarakt keinerlei Schmerzen. Ohne Behandlung führt diese Augenerkrankung zur Erblindung. Durch eine Routineoperation kann die Augenlinse durch eine künstliche Linse ersetzt werden.

Für weitere Informationen zu dieser Augenerkrankung empfehlen wir dieses Video:
Woche des Sehens - Katarakt

Glaukom (Grüner Star)

Das Glaukom ist eine Augenerkrankung, die die Netzhaut und den Sehnerv schädigt. Der Hauptrisikofaktor ist ein erhöhter Augeninnendruck. Durch den Druck auf den Sehnerv sterben Nervenfasern ab und es kommt zu einer zunehmenden Einschränkung des Gesichtsfeldes. Betroffene bemerken eine Sehverschlechterung oft erst dann, wenn bereits ein Auge irreversibel erkrankt ist. Das Glaukom verursacht in der Regel keine Schmerzen. Ab dem 40. Lebensjahr sollte jährlich eine Kontrolle durch den Augenarzt stattfinden, um bei einer festgestellten Augenerkrankung frühzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.

Für weitere Informationen zu dieser Augenerkrankung empfehlen wir dieses Video:
Woche des Sehens - Glaukom

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Bei der altersbedingten Makuladegeneration, auch AMD genannt, kommt es aufgrund einer Schädigung der Sinneszellen durch Stoffwechselprodukte zu einer krankhaften Veränderung der Stelle des schärfsten Sehens, der sogenannten Makula. Man unterscheidet zwei Formen der AMD: Bei der trockenen und häufigeren Form kommt es zu einer langsamen Sehschärfenminderung, bei der feuchten und selteneren Form zu einer rasch fortschreitenden Sehschärfenminderung. Es beginnt mit einem Verzerrtsehen von geraden Linien und führt schlussendlich zu einem Verlust des zentralen Sehens. Zeitungen können nur noch mit Mühe oder gar nicht mehr gelesen werden, Gesichter werden kaum noch erkannt. Eine regelmäßige Kontrolle durch den Augenarzt ist dringend erforderlich, um Möglichkeiten einer Therapie zu besprechen.

Für weitere Informationen zu dieser Augenerkrankung empfehlen wir dieses Video:
Woche des Sehens - Makula-Degeneration

Diabetische Retinopathie

Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kann eine Gefäßerkrankung hervorrufen. So können auch die kleinsten Gefäße an der Netzhaut durch einen permanent erhöhten Blutzuckerspiegel geschädigt werden. Auch wenn es bereits zu einer fortgeschrittenen Schädigung an der Netzhaut gekommen ist, wird diese von Betroffenen häufig lange nicht wahrgenommen. Sehschärfe und Gesichtsfeld können tagesformabhängigen Schwankungen unterliegen. Ausreichende Beleuchtung und Kontraste unterstützen dann ein anstrengungsfreies Sehen. Menschen mit Diabetes sollten regelmäßig (mindestens einmal im Jahr) von einem Augenarzt untersucht werden.

Für weitere Informationen zu dieser Augenerkrankung empfehlen wir dieses Video:
Woche des Sehens - Diabetische Retinopathie

Veränderungen des Sehens erkennen

Bei einer Augenerkrankung können trotz Brille folgende Auffälligkeiten auftreten, die auf eine Veränderung des Sehens hinweisen: 
 
  • Blendempfindlichkeit
  • Erhöhter Lichtbedarf
  • Gesichter und Gegenstände werden nicht immer erkannt
  • Sozialer Rückzug
  • Unlust zu Lesen oder Fernzusehen
  • Starkes Annähern an Objekte
  • Augenblinzeln, Augenzukneifen
  • Augentränen, rotes Auge, verklebtes Auge
  • Schmerzende Augen

Sollten Sie solche Auffälligkeiten bei Ihren Angehörigen erkennen, empfehlen wir, zur Kontrolle einen Augenarzt aufzusuchen.
 

Sozialrechtliche Ansprüche

Wird vom Augenarzt eine stark verminderte Sehleistung festgestellt, können verschiedene sozialrechtliche Leistungen beantragt werden. Es gibt die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis mit den jeweiligen Merkzeichen, Sehbehindertengeld, Blindengeld oder entsprechende Hilfsmittel zu beantragen bzw. sich diese verschreiben zu lassen.

Oftmals fühlen sich betroffene Menschen und deren Angehörige mit der Beantragung der Hilfen allein gelassen oder benötigen Erklärungen zu den Antragsformularen. Selbsthilfegruppen für Menschen mit Seheinschränkungen bieten praktische Unterstützung an. Weiterhin kann die kostenfreie Beratung der neu geschaffenen EUTBS (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) eine Anlaufstelle bieten.
 

Blinden- und Sehbehindertengeld

Ausgehend von einer Norm für die Sehschärfe von 1,0 = 100 Prozent wird in Deutschland wie folgt unterschieden:
 
  • Sehbehinderung
    Sehleistung weniger als 30 Prozent
    Anspruch auf Zuzahlung durch die Krankenkasse für spezielle Hilfsmittel
     
  • Hochgradige Sehbehinderung
    Sehleistung weniger als 5 Prozent
    Anspruch auf Sehbehindertengeld
     
  • Blindheit
    Sehleistung weniger als 2 Prozent oder Gesichtsfeld weniger als 5 Grad
    Anspruch auf Blindengeld

Die Sehleistung bezieht sich auf das bessere Auge mit bestmöglicher Korrektur (Brille, Kontaktlinsen).
 
Antragswege
Die jeweiligen Leistungen können beim örtlichen Versorgungsamt (auch Zentrum Bayern Familie und Soziales – ZBFS) beantragt werden. Nach der augenärztlichen Untersuchung durch einen Augenarzt des Versorgungsamtes wird entschieden, ob und welche Leistungen erfolgen.
 

Schwerbehindertenausweis

Der Schwerbehindertenausweis dient als Nachweis der Behinderung. Er wird beim Versorgungsamt (Zentrum Bayern für Familie und Soziales) nach bundeseinheitlichen Gesetzen ausgestellt. Mit diesem Ausweis erhalten Betroffene einen Nachteilausgleich, der durch die Behinderung besteht. Dazu können mit dem Ausweis bestimmte Leistungen und Vergünstigungen wahrgenommen werden. Diese sind abhängig vom Grad der Behinderung und den im Ausweis eingetragenen Merkzeichen.
 

Der Weg zum optischen Hilfsmittel

Gemäß §33 Hilfsmittel im SGB V (Gesetzbuch der Krankenversicherung) besteht ein Anspruch auf Zuzahlung durch die Krankenkasse für spezielle optische Hilfsmittel (ab einem Visus von 0,3). Dazu gehören u. a. vergrößernde Sehhilfen wie Hand-, Stand- und elektronische Lupen, Bildschirmlesegeräte und Lupenbrillen.
 
  1. Der behandelnde Augenarzt stellt ein Rezept mit Diagnose (inkl. Sehleistung) und ausführlicher Bezeichnung des Hilfsmittels aus.
     
  2. Der Patient geht mit dem Rezept zu einem Augenoptiker bzw. Low Vision Augenoptiker und erprobt verschiedene Modelle des bewilligten Hilfsmittels. Wird im Laufe der Hilfsmittelberatung festgestellt, dass ein anderes Hilfsmittel benötigt wird, so kann nach Rücksprache mit dem Augenarzt ein neues Rezept angefordert werden.

Tipps für den Alltag

  • Ab dem 40. Lebensjahr regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt.
  • Reinigung der Brillengläser bei Verschmutzung.
  • Die Beleuchtung in Räumen soll eingeschaltet sein und darf nicht blenden.
  • Nach Bedarf sollten beispielsweise beim Lesen zusätzliche Leuchten (z. B. Tisch- oder Stehleuchten) verwendet werden.
  • Hilfsmittel (z. B. Lupen, Alltagshilfsmittel) und sozialrechtliche Unterstützung (z. B. Blinden- und Sehbehindertengeld) in Anspruch nehmen.
  • Darauf achten, dass die richtige Brille getragen wird und Hilfsmittel genutzt werden.
  • Kennzeichnung der Sehhilfen (Brillen/Lupen) mit Initialen des Besitzers und der Brillenart (N=Nahbrille, F=Fernbrille und G=Gleitsichtbrille) verhindert die Verwechslungsgefahr.
  • Blendschutz verwenden (z. B. Kopfbedeckungen und Sonnenbrille; Jalousien und Vorhänge an den Fenstern).