Sicht-bar – Geschichten aus dem Leben

Die Sicht-bar ist während der Corona-Pandemie entstanden. Hier berichten Menschen aus ihrem Leben und teilen ihre Geschichte(n) mit anderen. Sie erzählen von dem, was sie im Alltag behindert und von dem, was sie stärkt.
Durch die Sicht-bar sollen Barrieren und Vorurteile sichtbar gemacht werden. Die Leserinnen und Leser können sich – wie an einer Bar – bedienen und sind dazu eingeladen, sich neue Eindrücke und Perspektiven mitzunehmen.

Erfahrungsbericht einer Gebärdensprach-Dolmetscherin

Erfahrungsbericht einer Gebärdensprach-Dolmetscherin 27.09.2022 - Krieg in der Ukraine. Auf der Startseite von freenet.de wird mir täglich ein neues Bild einer zerbombten Stadt angezeigt. Eines Tages sogar auf der Straße liegende Leichen. Ich traue mich nicht, darauf zu klicken und öffne schnell mein... Ausklappen »

Das „Rad zu zweit“ - Mit dem Tandem für Inklusion und soziale Teilhabe

Das „Rad zu zweit“ - Mit dem Tandem für Inklusion und soziale Teilhabe 19.09.2022 - Am 27.08.2022 startete in der Universitätsstadt Tübingen die 12. EURO-Tandem-Tour (ETT). Die ETT 2022 ist ein Inklusionsprojekt für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen der HEM-Schwerger-Stiftung. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Verena Bentele und wird von Aktion Mensch gefördert. Unter dem Motto “Alles im Fluss – Synergien durch Gemeinschaft” radeln internationale Teilnehmer*innen eine Woche entlang von sieben Flüssen in Bayern und Baden-Württemberg, für eine gelungene Inklusion und Barrierefreiheit in Europa. Rund 880 Kilometer legten die Radler in acht Tagen zurück. An Tag 6 führt die Etappe von Schweinfurt nach Buchen. Mit 134 km die längste Strecke, die die Teilnehmer*innen zurücklegten. Ausklappen »

Vielleicht nach Corona …?

Vielleicht nach Corona …? 26.03.2021 - Heute ist es wieder so weit: Es ist Donnerstag und wie jede Woche habe ich Besuchsrecht bei meinen Eltern im Pflegeheim – 20 Minuten. Seit über einem Jahr geht das nun schon so. Meine Eltern (90 und 92 Jahre alt) werden in einen Raum gebracht, der vorher gründlich desinfiziert wurde. Der Sicherheitsabstand wird durch zwei aneinandergeschobene Tische gewährleistet. Dazwischen steht eine Plexiglasscheibe. Ein negativer Corona-Test ist Voraussetzung für das Treffen, das Tragen einer FFP2-Maske Pflicht. Ich trage mich in die Liste ein, die die Besuche meines Bruders und mir – wir beiden sind die einzigen zugelassenen Besucher – dokumentiert. Ausklappen »

Ein Jahr Corona

Ein Jahr Corona 23.02.2021 - Einsam, seltsam, ängstlich, unsicher, aufregend, neu, lustig, schön ... einfach anders! Wir sind eine Familie mit zwei schwerbehinderten Kindern im Schulalter und wohnen relativ ländlich. Vor dem ersten Lockdown hätten wir uns eine solche Situation überhaupt nicht vorstellen können und dann war sie auf einmal da. Gut, dass ich als Mutter nicht berufstätig bin. So war es für uns relativ einfach zu organisieren, dass die Kinder von heute auf morgen für längere Zeit zu Hause waren. Therapien sind in dieser Zeit aber komplett ausgefallen, weil diese ja sonst in der Schule stattfinden. Einfache Sachen wie Einkaufen gehen mussten neu organisiert werden. Das war nur möglich, wenn mein Mann frei hatte. Aus Angst uns anzustecken, wollten wir aber sowieso so wenig wie möglich unter fremde Leute gehen. Ausklappen »

„In der derzeitigen Corona-Krise ist mein Talker nochmal wichtiger geworden…“

„In der derzeitigen Corona-Krise ist mein Talker nochmal wichtiger geworden…“ 11.01.2021 - Ich bin 26 Jahre alt, sitze aufgrund einer infantilen Zerebralparese seit Geburt an im Rollstuhl. Bei meiner überwiegend körperlichen Behinderung ist leider auch mein Sprachsystem betroffen, weshalb ich über ein Kommunikationsgerät, einen sogenannten Talker („Accent 800“) kommuniziere. Dieses Gerät ist für mein Leben mehr als eine Bereicherung – es ist für mich fast so wichtig wie essen und trinken! In der derzeitigen Corona-Krise ist mein Talker nochmal wichtiger geworden. Ausklappen »

"Bis dahin müssen wir alle aufeinander Rücksicht nehmen."

"Bis dahin müssen wir alle aufeinander Rücksicht nehmen." 16.12.2020 - In der Corona-Zeit ist es für mich sehr ruhig geworden. Ich wohne im betreuten Wohnen und bisher war fast an jedem Tag der Woche etwas los. Montagnachmittags habe ich in einer kleinen Runde mit zwei weiteren Frauen Karten gespielt, Dienstagnachmittags fand ein Treffen von den Johannitern statt und jeden Mittwochmorgen bin ich zur Gruppengymnastik im Haus gegangen, die immer sehr gut tat. Zusätzlich fand einmal im Monat ein gemeinsames Frühstück statt, wo ich immer sehr gerne hingegangen bin, da einerseits das Frühstück immer sehr lecker war und es auch sehr unterhaltsam und schön war, nicht alleine zu frühstücken. Ausklappen »

In Corona-Zeiten unterwegs - ein Reisebericht

In Corona-Zeiten unterwegs - ein Reisebericht 24.11.2020 - CORONA, der nervigste Begriff des Jahres für mich. Dabei heißt er nur – Lichterkranz – genau das ist es. Viel Licht und wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Mit Ausnahme einiger Figuren in Hollywoodfilmen, die werfen keine Schatten und sind damit als Geister zu erkennen. Ausklappen »

Corona und Hörbehinderung

Corona und Hörbehinderung 08.10.2020 - Wie erlebe ich die Corona-Zeit? Mehr freie Termine für die Familie, aber auch weniger Angebote. Eine geprägte Zeit mit vielen Unsicherheiten, die Gültigkeit der Aussagen hat eine kurze Haltbarkeit. Zum Teil Entspannung und Entschleunigung, da Termine alle weggefallen sind, zum Teil auch etwas Einsamkeit, da keine Treffen erlaubt waren, auch nicht mit den Eltern oder Geschwistern. Wie hat Corona meinen Alltag verändert? Die Familie musste ständig neu planen und Aufgaben übernehmen, die in der Vergangenheit nicht bewältigt werden mussten (Homeschooling, Homeoffice). Die Maskenpflicht war die größte Hürde für die Bewältigung des Alltags, ständig musste man sich erklären und rechtfertigen, weshalb das Mundbild für uns Hörgeschädigte wichtig ist. Hier fehlt schon stark die Aufklärung durch die Medien! Ausklappen »

"Wenn es nicht geht, geht es nicht…"

"Wenn es nicht geht, geht es nicht…" 23.09.2020 - Kurz zu mir: Ich lebe in einer Wohngruppe mit sieben Mitbewohnern zusammen. Ich arbeite in einer Werkstatt, in der Abteilung Leder. Wir verpacken aber auch Bausätze. Wie hat Corona deinen Alltag verändert? Der Lockdown war für mich wirklich schlimm und eine schwere Zeit. Ich konnte erstmal meine Freundin nicht sehen und auch andere Freunde und Arbeitskollegen. Wir haben zwar telefoniert, aber ich habe sie natürlich trotzdem vermisst. Man konnte ja auch fast nichts machen außer spazieren gehen. Auch die Arbeit habe ich vermisst. Wir haben dann zwar Arbeiten in der Wohngruppe machen können, aber das war natürlich nicht dasselbe. Ausklappen »

COVID-19 – und was nun?

COVID-19 – und was nun? 27.07.2020 - Zunächst war die Pandemie weit von Europa entfernt und die Auswirkungen auf die Weltbevölkerung nicht abschätzbar. Zunächst also habe ich die potentielle Gefahr nicht erkannt und mir daher auch keine Sorgen gemacht. Bis dann die Nachrichten von Infizierten im näheren regionalen Bereich uns erreicht haben. Spätestens als die Ausgangsbeschränkungen kamen, die ich auch als vernünftig und angemessen empfunden habe, waren die möglichen Risiken immer spürbarer. Ich bin Rentner mit einer schweren Immunschwäche aufgrund von chronischen Vorerkrankungen und gehöre somit zur sogenannten Risikogruppe. Ausklappen »

Corona und psychische Belastung

Corona und psychische Belastung 16.07.2020 - Wir sind eigentlich eine ganz normale Familie. Unser Papa hatte vor einigen Jahren ein Burnout. Damals ist er ein Jahr nicht arbeiten gegangen, war in einer Rehaklinik, ist seitdem aber wieder voll berufstätig und immer wieder in Therapie. Er reflektiert sich gut, analysiert seine Probleme und findet oft richtig gute Wege, gegen Überlastungen anzugehen. Der Alltag hat sich langsam wieder normalisiert, ist aber nicht genauso wie früher. Stresssymptome werden schneller wahrgenommen, er braucht mehr Pausen, wir haben vieles „runtergefahren“. Wir arbeiten immer wieder daran, dass der Alltag für uns alle zu bewältigen ist – das ist anders als früher, klappt aber gut, so lange keine Katastrophen dazukommen. Ausklappen »

Corona Virus und Taubblindheit – eine Beobachtung

Corona Virus und Taubblindheit – eine Beobachtung 29.06.2020 - Corona Virus – Welch eine Zumutung für uns alle! Welche Bilder tauchen in unserem Kopf auf, wenn wir Corona hören? Vielleicht: Keine gewohnten Freizeitaktivitäten, Isolation, Verbote, Mundschutz, fehlende Kontakte, Desinfektion, Absperrungen, schreckliche Bilder aus unseren Nachbarländern … Bei jedem Menschen bestimmt andere Details. Wir werden mit Informationen überschüttet. Aber was mag sich ein geburtstaubblindes Kind unter der Gebärde „Corona Virus“ vorstellen? Was hat das Kind erlebt? Ausklappen »

Corona und das Leben mit persönlicher Assistenz

Corona und das Leben mit persönlicher Assistenz 16.06.2020 - Ich bin C., schwerst körperlich behindert und lebe in einer Großstadt, in einer Wohngemeinschaft mit einer schwerbehinderten Freundin. Wir werden durch unsere persönlichen Assistenten unterstützt. Diese Art zu leben macht es für mich nahezu unmöglich, die geforderten Corona-Sicherheitsmaßnamen einzuhalten, denn auch zum Essen und Trinken bin ich komplett auf Hilfe angewiesen. Der Mindestabstand von 1,5m - 2m kann deshalb nicht eingehalten werden. Ich muss daher meinen Assistenten volles Vertrauen schenken, dass sie sich an das geforderte „Social-Distancing“ halten und sich bestmöglich vor dem Virus schützen. Ausklappen »

Blind sein und Corona - Verhaltensweisen unter der Maske

Blind sein und Corona - Verhaltensweisen unter der Maske 27.05.2020 - Seit Kurzem trage auch ich eine Maske. Zunächst fiel mir nichts auf – außer dass der Gummi hinterm Ohr drückte! Ich höre gut und sehe nichts, meine Hände sind frei und ich kann mich bewegen. Um den Mund wird es wärmer und feuchter und manchmal ist es kaum auszuhalten! Ich kann mich ja schnell wieder von ihr befreien. Mit einem Händedruck fing es an. Plötzlich wurde mir klar, was mir so fehlt, wenn ich einer Person begegne. So ein Händedruck gibt mir ganz viele Informationen über den Typ. Ausklappen »