Erstgespräch – Offenes Beratungsangebot OBA

In einem Erst­ge­spräch in­for­mie­ren wir die Fa­mi­lie über die mög­li­chen In­hal­te und Schwer­punk­te einer För­de­rung für ihr Kind. Alle unsere Angebote sind für die Familien kostenfrei. Sie können jederzeit telefonisch einen Termin vereinbaren. Wenn möglich, führen wir bereits im Erstgespräch eine orthoptische Befunderhebung durch.
 

Ein Vater hält seinen kleinen Jungen auf dem Schoss. Der Junge lacht eine Frühförderin vom Blindeninstitut Untermain an, die ein leuchtendes Spielzeug hält.
Die El­tern ent­schei­den zu­sam­men mit uns, ob unser An­ge­bot für sie und ihr Kind die ge­eig­ne­te Un­ter­stüt­zung sein kann. Ist dies der Fall, wird das weitere Aufnahmeverfahren besprochen. Hierzu gehört zunächst die Eingangsdiagnostik.

Eingangsdiagnostik EGD

An erster Stelle der Eingangsdiagnostik steht die Sehüberprüfung. Idealerweise liegen uns zu Beginn der Eingangsdiagnostik bereits die Ergebnisse einer augenärztlichen Untersuchung vor. Hier sollte zunächst überprüft werden, inwieweit eine organische Schädigung vorliegt. Im Rahmen der augenärztlichen Behandlung können operative Eingriffe notwendig sein. Es erfolgt die Verordnung von Sehhilfen (Brille, Kontaktlinse) sowie ggf. die Empfehlung für eine Okklusionsbehandlung (Abkleben der Augen mit Augenpflaster).

Auch nach optimaler augenärztlicher Versorgung können weiterhin Sehprobleme bestehen. Im Rahmen der Eingangsdiagnostik wird das Sehvermögen im Alltag überprüft. Hierzu gehört die orthoptische Befundung und die Analyse des funktionalen Sehens.

Hier geht es um Fragen wie: wie wird das Sehen zur Informationsgewinnung eingesetzt? Wie wird das Sehen für Handlungen eingesetzt? Wie wird das Sehen bei der Orientierung in der Umwelt eingesetzt?

Im Rahmen der Eingangsdiagnostik werden folgende Bereiche erfasst:
  • Anamnese der Vorgeschichte
  • Durchführung einer Entwicklungsdiagnostik/Intelligenzdiagnostik
  • Überprüfung des funktionalen Sehens
  • Zusammenfassung der Ergebnisse unter Einbezug der ärztlichen Befunde

Im Rahmen der Eingangsdiagnostik erfolgt auch die Überprüfung einer cerebralen Sehstörung (CVI).

Nach der Ein­gangs­dia­gnos­tik und der ab­schlie­ßen­den Fest­le­gung des För­der­be­darfs mit dem Kinderarzt kann die Früh­för­de­rung beim zuständigen Kostenträger (Bezirk) beantragt werden.
 
Ein kleines Mädchen mit einer Brille und ein kleiner Junge sitzen auf einem weißen Boden und spielen mit einem bunten Kinderspiel im Rahmen der Frühförderung.

Überregionale mobile Frühförderung

Die Früh­för­derung Sehen in Nie­dern­berg ist zu­stän­dig für die Land­krei­se Mil­ten­berg und Aschaf­fen­burg, sowie die Stadt Aschaf­fen­burg. Sie ist eine überregionale Frühförderstelle, was zur Folge hat, dass die Angebote mobil im Lebensumfeld des Kindes durchgeführt werden.

Die Frühförderung wird im bayerischen Rahmenvertrag als Komplexleistung definiert. Das bedeutet, dass die heilpädagogische Diagnostik und Förderung in enger Abstimmung mit den medizinischen Therapien erfolgt. Die Leistungen sollen „aus einer Hand“ in Anspruch genommen werden können. Die Kinder werden in der Regel einmal pro Woche, außerhalb der bayerischen Ferienzeiten für 90 Minuten durch die Heilpädagogin betreut.

Die Leistungen der heilpädagogischen Förderung werden vom Bezirk Unterfranken bzw. vom zuständigen Träger der Eingliederungshilfe getragen. Die Leistungen der ergänzenden medizinischen Therapien können auch mobil erbracht werden. Die Kosten hierfür werden von der jeweilig zuständigen Krankenkasse getragen. 
 
Ein kleines Mädchen zeigt mit dem Finger auf ein großes Bilderbuch, das ihr eine Frühförderin hinhält. Beide sitzen auf einem Teppich am Boden. Das Bild ist von oben fotografiert.

Orthoptische Befunderhebung

Ergänzend zum Augenarzt wird in der orthoptischen Befundung das funktionelle und das funktionale Sehen überprüft.

Die orthoptische Untersuchung umfasst:
  • Sehschärfenbestimmung in Ferne und Nähe
  • Prüfung der Lesesehschärfe und -geschwindigkeit
  • Bestimmung von Fehlsichtigkeiten (objektiv und subjektiv)
  • Prüfung auf ausreichende optische Korrektion
  • Prüfung der Nahanpassungsfähigkeit
  • Prüfung der Augenstellung und Augenbewegungsfähigkeit einschließlich der Fähigkeit beidäugige schnelle und langsame Augenbewegungen durchzuführen
  • Messung des Schielwinkels
  • Analyse der beidäugigen Zusammenarbeit
  • Prüfung des zentralen und peripheren Gesichtsfeldes
  • Untersuchung des Farbensehens
  • Untersuchung des Kontrastsehens
  • Feststellen des Beleuchtungsbedarfs
  • Optimierung von Sehhilfen
  • Anpassung vergrößernder Sehhilfen

Benennung der verwendeten Testverfahren
  • TAC
  • Objekttest
  • Cardiff
  • Lea
  • C-Test

Eingangsdiagnostik - weitere Informationen

Zunächst erfolgt die Zusammenfassung der relevanten biografischen Ereignisse im Leben des Kindes (Anamnese).  Die Anamnese erfasst vor- und nachgeburtlich Besonderheiten, die Krankheitsgeschichte, sowie das aktuelle Wohlbefinden und die Fähigkeit zur Erlangung der Grundbedürfnisse (schlafen, essen, Stimmungslage).

Abhängig vom Alter und den Fähigkeiten des Kindes wird eine Entwicklungsdiagnostik unter Berücksichtigung des vorhandenen Sehvermögens durchgeführt. In einer teilnehmenden Verhaltensbeobachtung werden Spielverhalten, Interaktion und Kommunikation beobachtet. Neben dieser individuellen Befunderhebung kommen standardisierte Testverfahren zum Einsatz, um den Bezug zur Altersgruppe herzustellen.

Bei der Durchführung der Testverfahren, werden dem Kind notwendige sehfördernde Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Bei sehr hochgradig seheingeschränkten und blinden Kinder werden spezielle, adaptierte Test durchgeführt.

Bei Bedarf werden spezifische Fragebögen mit den Bezugspersonen ausgefüllt, beispielsweise zum Sehen im Alltag, zur sozio-emotionalen Entwicklung oder zu alltagspraktischen Fertigkeiten.

Bei der Diagnostik von Kindern mit Einschränkungen von Hören und Sehen oder weiteren körperlichen und/oder kognitiven Einschränkungen werden die entsprechenden Testverfahren auf die individuellen Fähigkeiten der Kinder abgestimmt.

Bei starken körperlichen Einschränkungen ist die Beobachtung der Fähigkeiten und Möglichkeiten der Kinder im Hinblick auf ihre Teilhabemöglichkeiten (ICF) zentrale Grundlage der Diagnostik. Hier ist die Verhaltensbeobachtung für uns eine wichtige Grundlage, um Stärken und Schwächen des Kindes auszuloten und ihm entsprechende Förderangebote anbieten zu können. Bei Kindern mit Blindheit oder mit Einschränkungen von Hören und Sehen kommt der Feststellung der kompensatorischen Fähigkeiten eine wesentliche Bedeutung zu.

Ergänzend dazu werden ggf. Befunde in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie erhoben.

Visuelle Wahrnehmungsstörungen (CVI)

Zentral-visuelle Wahrnehmungsstörungen finden sich sowohl nach erworbenen Schädigungen des Zentralnervensystems im Kindesalter als auch infolge prä- und perinataler Schädigungen. Manchmal treten sie auch auf, ohne dass eine vorausgehende Schädigung festgestellt werden kann.

Sie können zusätzlich zu einer vorhandenen okulären Sehstörung auftreten, als Folge dieser oder auch alleinig. Im letzten Fall kann dies bedeuten, dass bei der augenärztlichen Diagnostik keinerlei Auffälligkeiten festzustellen sind. Die Sehwerte liegen im Normbereich.

Die Einschränkungen einer visuellen Wahrnehmungsstörung können nur einzelne Bereiche des Sehens betreffen, aber auch sehr breitgefächert sein. So kann ein Kind einzig ein Problem in der Gesichtserkennung oder im räumlich-konstruktiven Bereich aufweisen. Es können aber auch mehrere Sehfaktoren betroffen sein. Je mehr Sehfaktoren von der visuellen Wahrnehmungsstörung (CVI) betroffen sind, desto größer sind die Probleme im Alltag.

Welche Beobachtungen können auf eine visuelle Wahrnehmungsstörung hinweisen?
  • Geringes Interesse an visus- und altersgerechten Bilderbüchern
  • Detailreduziertes Malen
  • Übermalen von Begrenzungslinien
  • Schwierigkeiten bei der Erkennung und Unterscheidung von Objekten
  • Probleme in der räumlichen Orientierung
  • Probleme beim Nachbau flächiger oder räumlicher Figuren
  • Schwierigkeiten in der Gesichtserkennung
  • Situationen werden nicht ganzheitlich erfasst
  • Fehlende visuelle Übersicht (Crowding)
  • Schwierigkeiten Kleidungsstücke richtig herum oder in der korrekten Reihenfolge anzuziehen
  • Schwierigkeiten bei der Essensaufnahme mit Besteck

Die Diagnostik der visuellen Wahrnehmungsstörung erfolgt in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten.

In einzelnen Fällen erhalten wir Unterstützung durch die Multidisziplinäre Beratungsstelle für visuelle Wahrnehmung - Bayern (MB-CVI).