Übergreifender Fachdienst

Im übergreifenden Fachdienst ist eine Psychologin, eine Kommunikationspädagogin sowie eine Rehabilitationsfachkraft für Orientierung und Mobilität (O&M) und Lebenspraktische Fertigkeiten (LPF) tätig. Sie bieten spezifische Einzelförderung für die Kinder und Jugendlichen und unterstützen die pädagogischen Fachkräfte beratend. Diese Angebote werden individuell in den Tagesablauf des Kindes eingebaut.
 

Lebenspraktische Fertigkeiten (LPF)

Lebenspraktische Fertigkeiten sind Tätigkeiten, die jeder Mensch zur Bewältigung seines Alltags benötigt. Bedingt durch die Seheinschränkung ist das Lernen am Modell, durch das diese Fähigkeiten im „Normalfall“ erworben werden, für die meisten unserer Kinder und Jugendlichen nicht möglich. Es bedarf der gezielten Einzelförderung, bei der konkrete Handlungen in einzelne Schritte unterteilt werden und das Kind, der/die Jugendliche die Zeit bekommt, die Schritte nacheinander zu erlernen und wieder zu einer komplexen Handlung zusammenzuführen. Die einzelnen Handlungsschritte werden verbal und/oder geführt angeleitet. Dieses Erlernen von Handlungen über den akustischen bzw. taktilen Sinn ist sehr zeitintensiv und benötigt viele Wiederholungen.
Zu den häufigsten Inhalten der LPF-Schulung für Kinder und Jugendliche in unserer Einrichtung gehören die Vermittlung von:
  • Essenstechniken und Essenszubereitung sowie das Kennenlernen verschiedener Lebensmittel
  • Körperpflege
  • An- und Auskleiden
  • Gelderkennung sowie der Umgang mit Geld
  • Kommunikationstechniken
  • Putztechniken
  • Kenntnis von Haushaltsartikeln und Warenkunde mit Einkaufen im Kaufhaus.
Bei allen diesen Themen werden übergreifend Kommunikation, Suchtechniken und Ordnungssysteme besprochen und in der  praktischen Anwendung geübt. Besonders hervorzuheben bei der Kommunikation ist das Feld der Begriffsbildung. Begriffsbildung fordert von der Fachkraft abzuklären, ob den Kindern die verwendeten Begriffe wie z.B. zuerst, später, Apfel oder Schneidebrett tatsächlich bekannt sind. Oder haben sie lediglich Begriffe als „Worthülsen“ verwenden, also diese nachgesprochen ohne deren Bedeutung oder Gestallt erfasst zu haben. Aufgabe der Fachkraft ist gegebenenfalls die „Worthülsen“ mit dem tatsächlich gemeinten Inhalt zu füllen und begreifbar zu machen. Weiterhin werden Grundkenntnisse über den eigenen Körper und dessen Bezug zur Umwelt vermittelt. Die Schulung der verbliebenen Sinne sowie die optimale Ausnutzung des noch vorhandenen Sehvermögens kommen ebenfalls hinzu.

Orientierung und Mobilität (O&M)

Blind­heit oder vermindertes Sehen schrän­ken die Fä­hig­keit zur selbst­stän­di­gen Ori­en­tie­rung und Fort­be­we­gung in hohem Maße ein. Für die selbständige Fortbewegung und die eigenaktive Teilhabe am Leben ist es unabdingbar sich in seiner Umwelt orientieren zu können. In der Schulung von Orientierung und Mobilität bekommen die Kinder und Jugendlichen die Gelegenheit ihre Umwelt kennenzulernen. Raumstrukturen werden durch Annäherung, Schallwahrnehmung oder durch taktiles Erkunden erarbeitet. Dabei werden markante Punkte bestimmt und auftretende Umweltmuster erkundet und ihre Bedeutung besprochen.
Ein kleines Mädchen übt das Gehen mit dem Langstock
In der O&M-Schulung werden ver­schie­de­ne Kennt­nis­se vermittelt:
 
  • Die Entwicklung eines realistischen Gefahrenbewusstseins
  • Den eigenen Körper wahrnehmen und seine Positionierung in der Umwelt richtig einschätzen können
  • Den eigenen Körper vor Hindernissen schützen
  • Die Fortbewegung mit sehender Begleitung
  • Das Erlernen von Strategien zur Raumwahrnehmung und Entwicklung von Vorstellungen über Raumstrukturen
  • Wesentliche Umweltmuster kennen lernen
  • Sich in vertrauter und fremder Umgebung sicher orientieren
  • Eigenständige Fortbewegung mit Hilfe des Blindenlangstockes
  • Den Umgang mit einem Monokular beherrschen
  • Das Verkehrsgeschehen richtig einzuschätzen
  • Die Kommunikation mit Mitmenschen so gestalten, dass sie für die eigene Orientierung hilfreich ist
  • Die selbständige Fortbewegung in komplexen Umgebungen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • und weitere Bereiche und Themen
Dabei wird auch die Klick-Sonar-Technik vermittelt, mit der mittels Echoortung ein Schallbild der Umwelt erstellt wird.
 

Unterstützte Kommunikation

Unterstützte Kommunikation ​hat zum Ziel, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten eines nicht oder kaum spre­chen­den Men­schen zu er­wei­tern. Sie ist damit auch ein Bei­trag zum Abbau von Bar­rie­ren für Men­schen mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­schrän­kun­gen. Körpereigene Zeichen, z.B. Mimik, Gestik, Zeigen und Gebärden gehören ebenso zu den Formen der Unterstützten Kommunikation wie Symbol- oder Buchstabentafeln und elektronische Kommunikationshilfen. Damit bietet sie eine Fülle von Ele­men­ten, die es nicht spre­chen­den oder kaum spre­chen­den Men­schen mög­lich ma­chen mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Die Kinder und Jugendlichen erleben ihre Ei­gen­wirk­sam­keit, nehmen an so­zia­len Geschehen teil und können ihre Wün­sche und Ge­füh­le äu­ßern und können somit selbst ver­stan­den wer­den und andere besser verstehen.

Die Kin­der und Ju­gend­li­chen, die unsere Einrichtung besuchen, brin­gen in­di­vi­du­el­le Vor­aus­set­zun­gen mit. Unser An­spruch ist, für jeden ein ma­ß­ge­schnei­der­tes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem zu ent­wi­ckeln. Ein wich­ti­ges In­stru­ment ist dabei auch der in­sti­tuts­ei­ge­ne Ar­beits­kreis UK. Hier ler­nen die Mit­ar­bei­te­rin­nen neue Me­tho­den der Un­ter­stütz­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on ken­nen und set­zen diese um.

Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil der Eltern-Kind-Beziehung, von frühester Kindheit an. In der Frühförderung werden Methoden der Unterstützten Kommunikation so früh wie möglich angeleitet und erlernt. Sie bieten Eltern und Kindern Möglichkeient zu einem besseren Verständnis.
Ein Grundschüler aktiviert mit Fingerdruck ein Symbol auf einem tablet

Fachdienst Psychologie

Die Psychologin unterstützt beratend die Arbeit der Gruppe und steht im regelmäßigen Austausch mit den Pädagoginnen und begleitet diese.

In der Leistungsdiagnostik kommen standardisierte Testverfahren zum Einsatz. Bei der Durchführung der Testverfahren werden dem Kind die notwendigen sehfördernden Hilfsmittel zur Verfügung gestellt.
 
Durchführung von Gruppentrainings
Bei Bedarf wird das Marburger Konzentrationstraining, ein Verfahren zur Förderung von Konzentrationsfähigkeit, planvollem Bearbeiten von Aufgaben, Selbstwertgefühl und sozialer Kompetenz für eine Gruppe von Kindern angeboten.
 
Entwicklungs- und Förderdiagnostik des Sehens (EFS)
Für Kinder mit Sehbehinderung und weiterem Förderbedarf wird in einer ausführlichen Beobachtung, in Anlehnung an die EFS, das Sehverhalten des Kindes eingeschätzt. Dabei werden individuelle Merkmale der Behinderung und der allgemeinen Entwicklung des Kindes berücksichtigt. Mit dieser Förderdiagnostik sollen für das Kind optimale Bedingungen gesucht werden, die das Interesse des Kindes am Sehen wecken und weiter unterstützen.
 
Elternberatung
In der Elternberatung können Fragen der Entwicklung und Erziehung des Kindes/Jugendlichen besprochen werden.  Die Eltern erhalten Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit der Behinderung ihres Kindes.