Jahresbericht des Blindeninstituts Thüringen 2015/2016
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Blickwechsel

Eine Schule, mehrere Klassen, verschiedene

Schüler, unterschiedliche Herausforderungen

und Erfahrungen

Ich heiße Katrin Distel

und bin seit April 1996

als Pädagogin in der

Bentheim-Schule im

Blindeninstitut Thüringen

in Schmalkalden beschäf-

tigt.

Gestartet bin ich als Sonderpädagogische Fachkraft

in der Klasse B1. Im Jahr 2000 bekam ich die Chance,

mich am Aufbau der ersten Tagesschulklasse (TSK)

in der Einrichtung in Schmalkalden zu beteiligen.

Tagesschüler sind Schüler, die morgens in die Schu-

le kommen und am Nachmittag wieder nach Hause

fahren. Ich nahm die Herausforderung an. Gemeinsam

mit Julia Pogorszelski, der Förderschullehrerin für die

TSK, stellte ich mich den neuen Aufgaben. Viel gab es

zu bedenken, neue Strukturen mussten geschaffen

werden.

Neben organisatorischen Strukturen, die z.B. die

Versorgung mit Mittagessen und Lebensmitteln für

Frühstück und Vesper oder auch die Reinigung und

viele andere Dinge mehr, betrafen, richteten wir unse-

re neuen Räume ein.

Sehr wichtig war für uns die Arbeit mit den Eltern.

Regelmäßige Elternnachmittage fanden statt, in

denen unsere Tagesschüler ihr Können zeigten. Dem

Austausch von Informationen zu Besonderheiten und

Erlebnissen im Schulalltag und zu Hause über die El-

ternheftchen kam eine große Bedeutung zu. Auch das

Telefon und persönliche Gespräche wurden von allen

Seiten gerne genutzt.

Rückblickend erinnere ich mich gerne an die verschie-

densten Projekte, wie „Vom Schaf zur Schafwollso-

cke“, „Die Mukketierbande“ oder auch „Frederick“. Im

Rahmen der Projekte spielten die verschiedensten

Lernbereiche eine große Rolle. Neben dem Fördern

innerhalb der

einzelnen Wahr-

nehmungsberei-

che, in der Selbst-

versorgung oder

z.B. im sozialen

Bereich, nahmen

auch Kulturtechni-

ken einen immer

größeren Raum ein.

Zu einigen Projek-

ten entstanden individuelle Bücher, die den Fähigkei-

ten der Schüler angepasst waren. Jeder bekam sein

eigenes Buch: der eine Schüler zum Fühlen der unter-

schiedlichen taktilen Strukturen, welche Geschichten-

inhalte symbolisierten, der andere Schüler zum Lesen

mit Bildern, eine Schülerin zum Lesen mit Ganzwör-

tern, und wieder ein anderer Schüler zum Lesen mit

der Brailleschrift. Nicht nur die Schüler haben in dieser

Zeit eine Menge gelernt, auch ich habe mich mit vielen

Themen auseinandergesetzt. Bei der Gestaltung der

Lehr- und Lernmaterialien war mir der Blick auf die

Kompetenzen der Kinder in den Lernbereichen und vor

allem im Bereich Sehen sehr wichtig.