Jahresbericht des Blindeninstituts Thüringen 2015/2016
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Umgebungsgestaltung, die Orientierung ermöglicht

Gelingendes, Herausforderndes und immer

wieder Fragen …

Wenn man sich sein Zuhause einrichtet wählt man

Farben und Muster und vieles mehr vor allem unter

ästhetischen Aspekten aus. Man will sich wohlfühlen.

Wenn wir in unserer Einrichtung Räume gestalten,

gilt es viele Dinge zu betrachten und zu berücksich-

tigen. Es sind Räume, in denen sehbehinderte und

blinde Menschen leben und lernen, die Räume haben

eine, oftmals auch mehrere Funktionen und Räume

sollen und müssen Menschen mit unterschiedlichen

Beeinträchtigungen Orientierung bieten können. Und

natürlich spielt auch der ästhetische Aspekt in der

Gestaltung von Räumen eine große Rolle.

Es ist ohne Frage eine Herausforderung, all diese

Ansprüche unter einen Hut und in eine gute Balance zu

bringen. Noch größer wird die Herausforderung, wenn

wir als Blindeninstitut Thüringen uns diese Fragestel-

lungen für zwei ganz unterschiedliche Häuser ansehen.

Und noch etwas größer, wenn man wie wir mit dem

Robert-Koch-Haus diese Fragen für einen Altbau be-

trachtet, der ganz unterschiedliche räumliche Gliede-

rungen, verschiedene Treppenarten, Lichtverhältnisse

und Beleuchtungssysteme, Handläufe und Türen hat.

Die Gegebenheiten und die Ansprüche an die Funktion

und Ästhetik in Balance zu bringen – dieser Aufgabe

stellen wir uns schon immer, besonders aber jetzt

nach den Bauarbeiten und Umzügen, die uns im ver-

gangenen Jahr begleitet haben.

Erste Erkenntnis: aufgrund der Gegebenheiten ist ein

einheitliches Gesamtkonzept schwierig umzusetzen.

Aber, Umgebungsgestaltung gelingt im kleineren

geschlossenen Raum. Das zeigen Beispiele wie hier

aus der Wohngruppe B1 (Bereich Wohnen für Kinder

und Jugendliche im Kniese-Haus) und der Tagesschul-

klasse 3 im Robert-Koch-Haus. Ziel war es hier, den

Wohn- und Lernräumen über kontrastreiche Farbge-

staltung, bewusste und durchdachte Platzierungen

und Positionierung von Dingen und dem Vorhalten von

visuellen und taktilen, aber auch akustischen Orientie-

rungshilfen eine Struktur zu geben, die blinden und

sehbehinderten Kindern und Jugendlichen gute Hilfen

und Chancen geben, sich orientieren zu können.

Es zeigt sich, dass unsere Schüler und Bewohner ihre

Informationsgewinnung über die ihnen zur Verfügung

stehenden Wahrnehmungsbereiche gut nutzen und so

Sehen, Fühlen, Spüren und Hören nichts Abstraktes

ist, sondern direkten Handlungs- und Lebensbezug

hat. Die gestaltete Umgebung mit sinnstiftenden

Reizen wird so auch zum Motivator zum Erkunden und

trägt damit zur Entwicklung in verschiedenen Lernbe-