Jahresbericht des Blindeninstituts Thüringen 2015/2016
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Mitarbeiter gut in unsere Prinzipien und Gedanken zur

Umgebungsgestaltung mitnehmen müssen. Es erklärt

sich eben vieles einfach nicht von selbst.

Und ich denke auch an Schüler wie Paul. Paul besucht

die Bentheim-Schule und sein Sehvermögen liegt im

Bereich der gesetzlichen Blindheit. Pauls Aufgabe ist

es, die Post für seine Klasse zu erledigen. Dafür muss

er vom Bauteil C in den Bauteil A des Robert-Koch-

Hauses. Er benutzte dafür bislang den Weg außen am

Haus entlang und nutzte dafür Orientierungshilfen am

Boden. Nun haben wir seit einiger Zeit ein Gerüst am

Haus stehen und Paul kann seinen gewohnten Weg

nicht gehen. Die Post zu erledigen ist ihm aber eine

wichtige Aufgabe – man wird gebraucht und trifft

Leute. Also geht Paul nun einmal sozusagen unter

dem Haus entlang von C nach A durch den Keller.

Dieser ist nun keineswegs so gestaltet, dass er für

sehbehinderte und blinde Kinder eine durchgängige

Orientierung bietet. Aber mit Paul wurde der Weg

geübt und er geht ihn sicher. Er hat sich seine eigenen

Orientierungspunkte gesucht und Strategien entwi-

ckelt, die ihm helfen, auch Wege zu gehen, die nicht

barrierefrei sind. Diese Kompetenz braucht Paul, denn

er ist sehr aktiv und selbstbewusst auch außerhalb

der Schule unterwegs. Auch das ist eine wichtige

Aufgabe von uns: Schüler und Bewohner die notwen-

digen Kompetenzen zu vermitteln, die es braucht um

sich in der meist nicht sehbehindertengerecht gestal-

teten Welt zu bewegen.

Katrin von Vogt

Schulleiterin Bentheim-Schule

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