´╗┐ Jahresbericht des Blindeninstituts Thüringen 2015/2016
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Besuch im Restaurant mit der Familie, der Lieblingsim-

biss zwischendurch... Für uns nichts Besonderes und

doch bei genauerer Betrachtung ein hohes Privileg.

Denn, was wenn das Selbstverständliche zur

Schwerstarbeit wird? Wir können nur am Rande er-

ahnen was es bedeutet, mit einer Dysphagie belastet

zu sein. Wenn man etwas in den falschen Hals kriegt,

ist es im wörtlichen Sinne nur ein harmloses Verschlu-

cken oder die Mandelentzündung beschert Schmer-

zen beim Schlucken sowie eine kloßige Sprache. Nach

kurzer Zeit geht es uns wieder gut und wir genießen

das Leben und die Mahlzeiten wie bisher.

Ganz andere Probleme haben die Menschen, denen

durch Krankheit, hohes Alter oder schwere Behin-

derungen die Fähigkeit zum Schlucken abhandenge-

kommen ist, beziehungsweise die dabei dauerhafte

Beeinträchtigungen verspüren. Mangelernährung,

Dehydratation, soziale Isolation, Angst vor der

Nahrungsaufnahme und schwere Aspirationspneu-

monien (das bedeutet Lungenentzündungen, welche

durch in die unteren Atemwege gelangte Speisean-

teile verursacht werden) sind nur einige der Folgen,

die aus einer bestehenden Dysphagie resultieren

können.

Im Umgang mit unseren Schülern und Bewohnern

stellt uns dieses Thema tagtäglich vor große Heraus-

forderungen. Aufgrund der komplexen neurologischen

Beeinträchtigungen und deren Sekundärveränderun-

gen zeigen eine Vielzahl der Kinder, Jugendlichen und

Erwachsenen des Blindeninstituts Thüringen Auffäl-

ligkeiten im Bereich der Nahrungsaufnahme.

Häufiges Verschlucken, Hustenanfälle, unklares

Fieber, Speisereste im Mundraum und Unsicherheiten

bezüglich der Kostanpassung sowie der Hilfsmittel-

versorgung stellen uns immer wieder vor interdiszipli-

näre Herausforderungen. Hilfreich ist dabei, die logo-

pädische Beratung der verantwortlichen Mitarbeiter

in den jeweiligen Klassen und Wohngruppen.

Mit Hilfe ihrer Beobachtungsgabe, einer regelmäßigen

medizinischen Betreuung sowie der umfangreichen

Heilmittelversorgung können wir einen guten Über-

blick über die individuellen Bedürfnisses jedes Schü-

lers beziehungsweise Bewohners gewinnen.

Hierbei wird deutlich, dass die Dysphagie nicht allein

dem logopädischen Behandlungsbedarf unterstellt ist.

Neben der ärztlichen Versorgung nehmen auch die

Physiotherapie und die Ergotherapie Einfluss auf die

Therapie von Schluckstörungen.

Frau Kawald als Ergotherapeutin ist zudem geschult in

der Behandlung von Menschen mit Schluckstörungen

und ist mit zuständig für die Versorgung der Betrof-

fenen mit Hilfsmitteln für die Nahrungsaufnahme und

für die Verbesserung feinmotorischer Fähigkeiten, die

in der präoralen Phase (Hinführung der Nahrung zum

Mund) erforderlich sind, zuständig.

Zusätzlich leisten unsere Physiotherapeutinnen

einen großen Beitrag zur Verbesserung beziehungs-

weise dem Erhalt des Schluckvorganges. Da wir den

Schluckakt nie als isolierte Funktion betrachten, die

sich allein auf Mund, Rachen, Hals und Speiseröhre

beschränkt, haben wir immer den gesamten Men-