Jahresbericht des Blindeninstituts Würzburg 2017
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Ein ganz normaler Urlaub

Mittlerweile ist es über ein Jahr her, dass Ronny mir

von seinem letzten Sommerurlaub erzählte. Er teilte

mir voller Unmut mit, dass der Urlaub nicht zu seiner

Zufriedenheit verlaufen war. Sein Wunsch war es als

„normaler Mensch“ gesehen und behandelt zu wer-

den, nicht separiert oder mit einer extra Behandlung,

vor allem nicht im Urlaub.

Das brachte bei mir die Gedanken ins Laufen. Ich be-

sprach mich mit einigen Mitarbeitenden der Bentheim

Werkstatt, die ähnliche Erfahrungen in ihrem Som-

merurlaub gemacht hatten, dann besprach ich mich

mit meiner Freundin Julia. Wir wollten Ronny und ei-

nigen weiteren Menschen die Erfahrung ermöglichen,

einen ganz normalen Urlaub machen zu können.

So wurde ein erstes Treffen für Interessenten ein-

berufen. Es sollte eine Reisegruppe gebildet wer-

den, bei der sich die Teilnehmenden im Bereich des

alltäglichen Lebens und der Selbstständigkeit auf

einem ähnlichen Stand befinden. D. h sie stehen z. B.

morgens alleine auf, finden sich in fremder Umgebung

relativ schnell zurecht und können Verantwortung für

ihr Handeln übernehmen. Außerdem wurden Wün-

sche des Reisezeitraums und -rahmens angerissen

– angedacht war ein Strandurlaub, der sich um die

Pfingsttage bewegte.

Zum zweiten anberaumten Treffen kamen dann die

Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ernsthaft an

der Reise interessiert waren. Vorab wurden unter-

schiedliche Reiseangebote eingeholt und optimiert. Es

standen Mallorca, Kreta und Bulgarien zur Wahl. Das

beste Preis-Leistungsverhältnis bestand in Bulgarien

und so fiel die Wahl einstimmig aus: acht Tage, alles

inklusive, mit dem Zug zum Flughafen – ab Frankfurt

direkt in das frisch renovierte 4-Sterne-Hotel am

Goldstrand.

Am 24. Mai 2017 trafen sich Ronny Schumann, Nicole

Schindelbeck, Ida Neubauer, Tatjana Volkamer, Sonja

Diegel, Klaus Götzenberger, Nina Schäfner, Aron

Späth, Harald Bischof, Brigitte Michelbach, Oliver Zull

aus dem Blindeninstitut und Markus und Eric von den

Mainfränkischen Werkstätten sowie ich und meine

Freundin Julia am Würzburger Bahnhof. Die Nacht

sollte durchgemacht werden, denn der erste Flieger

am nächsten Morgen war für uns reserviert. Alle

waren mit Koffer und Handgepäck bepackt. Checklis-

ten für´s Kofferpacken und Info´s „Was ist erlaubt im

Handgepäck“ waren im Vorhinein ausgearbeitet und

an alle Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmer ausge-

teilt worden.