Jahresbericht des Blindeninstituts Würzburg 2017
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äußert werden können. In dem man sagen kann, was

man möchte und was man nicht möchte, und auch

verstanden wird. Für Menschen mit Taubblindheit

ist das Taktile Gebärden die Sprache in der sie sich

verständlich machen können. Sie wird mit den Händen

gesprochen und ist in den Gebärden im Wesentlichen

identisch mit der Deutschen Gebärdensprache (DGS)

von Menschen mit Hörbeeinträchtigung.

Allerdings basiert das Taktile Gebärden auf einer ab-

weichenden Grammatik, da sie zum gegenseitigen Ver-

ständnis mehr und andere Worte benötigt als die DGS,

die eine visuelle Sprache ist. Das bedeutet, DGS wird

mit den Augen erfasst und man bekommt Informatio-

nen zusätzlich aus der Mimik des Gesprächspartners.

Beispielsweise das Hochziehen der Augenbrauen bei

einer Frage. Ein taubblinder Mensch fühlt die Gebärden

und braucht hier beispielsweise die Gebärde „Frage“

um zu verstehen, dass er nun etwas gefragt wird.

Teilhabe durch Kommunikation

Seit 2008 gibt es in Deutschland die Ausbildung zur

Taubblindenassistentin – einer Begleitung, die Men-

schen mit Taubblindheit im Alltag unterstützt und ne-

ben einem Dolmetscher für taktiles Gebärden Teilhabe

an der Gesellschaft ermöglicht. Tabea Sadowski ist

eine solche Taubblindenassistentin für Harmit Kaur-

Toor, die schon seit vielen Jahren im Blindeninstitut

lernt und lebt. „Ich bin mit elf Jahren aus Indien nach

Deutschland gekommen“, gebärdet die junge Frau.

Anfangs konnte sie noch ein bisschen sehen, sagt sie,

aber mit drei Jahren ist sie nach einer Augenoperation

vollkommen erblindet. In Deutschland habe sie dann

Jutta und Nina getroffen, erzählt sie, und sie habe

vieles abgefühlt und neue Gebärden gelernt. Und wie

viele junge Menschen hat Harmit Kaur-Toor auch das

Internet und die neuen Medien entdeckt und gelernt

mit dem Computer und der Braillezeile zu arbeiten. „Mit

Laptop und Braillezeile können wir die Welt zu uns ins

Zimmer holen“, sagt ihre Lehrerin Jutta Wiese, betont

aber auch, dass Harmit ein absolutes Ausnahmetalent

ist: „Es gibt nur ganz wenige Menschen mit dieser

Beeinträchtigung, die diesen Transfer schaffen“.

Sabine Tracht