Jahresbericht des Blindeninstituts Würzburg 2017
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Der TrixTisch – In drei Jahren von der Idee bis zur Verwirklichung

Die Frühförderung Sehen betreut sehbehinderte,

blinde und mehrfachbehinderte Säuglinge, Kleinkinder

und Kinder von Geburt an bis zur Einschulung. Bei

ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern sind Frühförde-

rinnen häufig gefordert, Alltagsgegenstände nicht nur

sehbehinderten- oder blindenspezifisch anzupassen,

sondern auch die Mehrfachbehinderung der kleinen

Klienten zu berücksichtigen.

Beatrix Heim, Ergotherapeutin und Frühförderin des

Blindeninstituts Würzburg, hat aufgrund ihrer Er-

fahrung ein innovatives Hilfsmittel mit einer breiten

individuellen Einsatzmöglichkeit entwickelt. Für Roll-

stuhlfahrer mit eingeschränkter Hand- oder Greifmo-

bilität bietet es durch größere Selbständigkeit einen

deutlichen Mehrwert in der Lebensqualität.

Wie es zur Entwicklung des sogenannten TrixTisches

kam und welche Vorteile er im Alltag bringt, wird Frau

Heim hier vorstellen:

Den TrixTisch habe ich eher aus der Not heraus ent-

wickelt. Seit 17 Jahren arbeite ich nun schon in der

Frühförderung Sehen, wo ich Babys, Kleinkinder und

Kinder mit Seh- und Mehrfachbeeinträchtigung oft

über Jahre betreue.

Bei meiner täglichen Arbeit in den Familien und in

Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) wurde ich

immer wieder vor verschiedenste Herausforderungen

gestellt – eine davon war folgender Missstand: Meine

Frühförderkinder bekamen einen Therapie- oder

Rollstuhl, damit sie in eine aufrechte Körperposition

kamen. Ihre Teilhabe im Familienalltag sollte damit un-

terstützt sowie auch eine bessere Nahrungsaufnahme

im Sitzen ermöglicht werden. Ein kleiner Tisch war

meist dabei, aber oft fiel den Kindern beim Hantieren

Vieles herunter, wenn sie allein spielen wollten. Auch

Ayla, ein Mädchen, das ich vor drei Jahren zu fördern

begann, erging es ähnlich: sie interessierte sich für

viele Angebote und war motiviert und aktiv – aber

eine Beschäftigung ohne fremde Unterstützung und

helfende Hände war meistens nicht möglich.

Aus diesen Gegebenheiten wuchs meine Idee: Ich

wollte einen Tisch, der Ayla lange begleiten kann,

der sie im Alltag, z.B. beim Essen und beim Spielen

unterstützt. Der auch bei einem Raumwechsel zur

Verfügung steht. Der ihr eine große Arbeitsfläche und

genügend Stabilität bietet. Der an unterschiedliche

Aktivitäten adaptierbar ist und individuelles Spielen,

Fördern und Arbeiten zulässt. Und der es Ayla erlaubt,

auch ohne helfende Hand einer anderen Person tätig

zu werden, und somit ihre Eigenaktivität anregt.

Zunächst entstand mein Prototyp, eine Therapietisch-

platte mit Befestigungsmaterial, die ich in Eigenbau

herstellte und zusammen mit Ayla erprobte.. Inzwi-

schen arbeite ich seit nunmehr drei Jahren damit in

Familien und SVE`s – mit großem Erfolg und vor allem

zur Freude meiner Frühförderkinder und ihrer Eltern

bzw. Betreuer.

Von Anfang an hatte ich aber das Bedürfnis, auch

anderen Betroffenen diesen Tisch zugänglich zu

machen. Doch wie geht man dabei am besten vor?

Patent anmelden? Ein festes Orthopädiegeschäft als

Geschäftspartner suchen? Schließlich erklärte sich