Jahresbericht des Blindeninstituts Würzburg 2017
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Klick-Sonar-Technik in der Frühförderung blinder Kinder

Die Klick-Sonar-Technik ist eine Erweiterung bzw.

ein Baustein in der Entwicklung und Ausdifferenzie-

rung der auditiven Wahrnehmung blinder Kinder und

wird in der Frühförderung Sehen in Würzburg und am

Untermain auch schon sehr kleinen Kindern angebo-

ten. Neben dem Langstock gewinnt diese Form der

Orientierung seit 2012 in Deutschland immer mehr an

Bedeutung, weil sie eine erweiterte Umwelterfahrung

ermöglicht und die Selbständigkeit fördert. Entwickelt

wurde diese Technik von dem blinden Amerikaner

Daniel Kish. In Europa ist sein Schüler Juan Ruiz als

Trainer aktiv.

Durch Echoortung wird aus den zurückfallenden

Echos von scharfen Zungenklicks, die die Umwelt in

Sekundenbruchteilen festhalten, eine differenzierte

dreidimensionale auditive Schallstruktur der Um-

gebung erzeugt. Dieses Schallbild entsteht wie bei

Sehenden im visuellen Cortex des Gehirns. Mit einiger

Übung lernen blinde Menschen aus den eintreffenden

Echos ein ähnliches Bild zu generieren, wie Sehende

aus Lichtsignalen. Da der Schall von verschiedenen

Materialien unterschiedlich reflektiert wird, kann eine

Vielzahl von Oberflächen und Materialdichten unter-

schieden werden. Auch die Entfernung von Objekten

spielt eine Rolle. Durch die Verzögerung des Echos ist

der Abstand zu einem Gegenstand sehr gut hörbar.

Und auch die Form des Objektes kann durch mehrma-

liges Zungenklicken gut erkannt werden.

Voraussetzung: Auditive Objekterkennung

Sehr häufig können wir in der Frühförderung beobach-

ten, dass Kinder, die blind oder von einer starken Seh-

störung betroffen sind, eine besondere Sensibilität in

der auditiven Wahrnehmung entwickeln. Das passiert

ganz automatisch. Die Kinder lernen verschiedene

Stimmen, insbesondere die der Bezugspersonen, und

Geräusche zu differenzieren und sie einer Person oder

Sache zuzuordnen. Wie bei der visuellen Objekterken-

nung, wenn bspw. der Erwachsene dem Kind einen

Apfel zeigt und das Wort Apfel ausspricht, lernt das

sehbehinderte Kind die Geräusche einem Objekt zu-

zuordnen, wenn die Bezugspersonen den Geräuschen

einen Namen gibt.

Die Entwicklung einer räumlichen Wahrnehmung bei

blinden Kindern erfolgt durch die Bewegung im Raum

(selbstständig oder getragen) und die gleichzeitig