„EIN KLEINES HÄPPCHEN KANN GROSSE WIRKUNG HABEN“

Interview mit dem Fortbildungsbeauftragten des Blindeninstituts München.

Herr Spengler, seit November 2024 gibt es am Blindeninstitut München die sogenannten BI-Mittagshäppchen. Was genau verbirgt sich hinter diesem neuen Format?

Matthias Spengler: Die BI-Mittagshäppchen sind kurze, kompakte Fortbildungsangebote, die vormittags oder nachmittags an beiden Standorten stattfinden. Die Idee ist, Wissen in kleinen, leicht verdaulichen Portionen zu vermitteln – also nicht stundenlange Seminare, sondern kurze, praxisnahe Einheiten. So können unsere Mitarbeitenden unkompliziert teilnehmen, ohne dass der Arbeitsalltag darunter leidet.

Warum war ein neues Fortbildungskonzept überhaupt notwendig?

Matthias Spengler: In der Vergangenheit sind viele gute Fortbildungsideen daran gescheitert, dass unsere Mitarbeitenden schlicht keine Zeit fanden. Frühere Konzepte sahen beispielsweise vor, dass einzelne Mitarbeitende Wissen aus Arbeitskreisen wie Low Vision oder Unterstützte Kommunikation in ihre Teams zurücktragen. In der Praxis hat das nicht gut funktioniert. Das Wissen, das wir hier brauchen, ist sehr spezialisiert und zentral für die tägliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit komplexen Behinderungen. Da reichte es nicht, wenn nur eine Person sich punktuell einarbeitet. Vieles musste in den Abendstunden oder am Wochenende nachgeholt werden – das war auf Dauer keine Lösung.

Welche Rolle spielt dabei die Einführung des Fortbildungsbeauftragten vor zwei Jahren?

Matthias Spengler: Dieser Auftrag an mich war ein entscheidender Schritt. Er ermöglicht es mir, die Fortbildungen gezielt auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden abzustimmen. Ich kann Themen bündeln, Termine koordinieren und das Angebot aktiv bewerben. Dadurch ist Fortbildung bei uns planbarer, strukturierter und näher am tatsächlichen Bedarf.

Wie ist die Idee zu den BI-Mittagshäppchen konkret entstanden?

Matthias Spengler: In einer Leitungskonferenz kam die Idee auf, Wissen in zwei Zeitslots anzubieten: vormittags und nachmittags, jeweils für etwa zwei Stunden. So können zum Beispiel Mitarbeitende der Heilpädagogischen Tagesstätte die Vormittagseinheiten vor Beginn ihrer pädagogischen Arbeit nutzen, während Lehrkräfte nachmittags nach Unterrichtsschluss teilnehmen. Dieses flexible Konzept hat sofort gut funktioniert und läuft nun hervorragend.

Gibt es Bereiche, in denen diese Struktur noch nicht optimal passt?

Matthias Spengler: Ja, bei unseren Kinderpflegerinnen und Kinderpflegern ist das etwas schwieriger, weil sie den ganzen Tag direkt mit den Kindern arbeiten. Für sie müssen wir ein eigenes Konzept entwickeln, da sind wir noch dran. Ein Ansatz, den wir bisher versucht haben, ist die HPT-Fortbildungswoche. In der letzten Ferienwoche erhalten die Kolleg*innen das notwendige Basiswissen kompakt vermittelt – so starten sie bestens vorbereitet ins neue Schuljahr.

Welche Weiterentwicklungen sind in Planung?

Matthias Spengler: Wir möchten das bestehende Angebot laufend erweitern. Neben den Basisinhalten der Mittagshäppchen planen wir, vertiefende kleine Module mit weiterführendem Fachwissen zu entwickeln. Außerdem gibt es jetzt ein Fortbildungsheft, das den Mitarbeitenden hilft, den Überblick zu behalten: Welche Kompetenzen brauche ich für meine Arbeit, was habe ich schon, was möchte ich vertiefen? Das schafft Transparenz und fördert die Motivation, sich kontinuierlich weiterzubilden.

Wie fällt Ihr Fazit nach dem ersten Jahr aus?

Matthias Spengler: Durchweg positiv. Die Rückmeldungen aus den Teams zeigen, dass die BI-Mittagshäppchen sehr gut angenommen werden. Das Format ist niederschwellig, praxisnah und flexibel – und genau das brauchen wir, um Wissen im Alltag lebendig zu halten. Oder wie wir gerne sagen: Ein kleines Häppchen kann große Wirkung haben.

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