

DEN SINN DER ARBEIT UNMITTELBAR SPÜREN KÖNNEN
Dominique Gottwald hat im Juli ihre Arbeit im Blindeninstitut Regensburg aufgenommen und seitdem parallel mit Stephan Hußlein gearbeitet. Seit 1. September hat sie die Leitung des Blindeninstituts Regensburg inne. Im Interview erzählt sie, was ihre Arbeit prägt. Von Lisa Pflamminger.
Frau Gottwald, Sie haben bereits eine beachtliche Karriere hinter sich. Welche Stationen gab es da auf Ihrem Weg ins Blindeninstitut?
Dominique Gottwald: Ich bin gebürtige Regensburgerin, habe an der Universität in Bamberg Diplom-Pädagogik mit dem Ziel studiert, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu stärken. In den letzten 17 Jahren habe ich in unterschiedlichen Bereichen Führungsverantwortung übernommen – zunächst im sozialen Sektor, später über viele Jahre hinweg und an den unterschiedlichsten Standorten in Deutschland bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zuletzt war ich Geschäftsführerin eines Jobcenters. Daneben war ich bei der BA bayernweit als Mentorin im Themenfeld Führungskräfteentwicklung tätig.
Was hat Sie motiviert, die Position der Institutsleiterin zu übernehmen?
Gottwald: Zum einen hat mich motiviert, mich persönlich weiterzuentwickeln und noch verantwortungsvoller, fachlich anspruchsvoller arbeiten zu dürfen. Zum anderen, dabei viel deutlicher wahrnehmen zu können, wo die eigene Arbeit hingeht, sprich, den Sinn der eigenen Arbeit unmittelbarer spüren zu können.
Nun sind Sie schon gut angekommen in Regensburg. Wie war Ihr erster Eindruck vom Blindeninstitut?
Gottwald: Mir wesentliche Werte wie Zuversicht, Vertrauen, Gemeinschaft sind hier im Blindeninstitut Regensburg spürbar. Schon in den ersten Begegnungen habe ich erlebt, mit wie viel Herzblut und Engagement hier gearbeitet wird.
Gab es bereits Erlebnisse, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Gottwald: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir meine Hospitation im Fachdienst im Kontext „Bindungstherapie“: Nach einer theoretischen Hinführung und gemeinsamen Studie des vorhandenen Videomaterials – über viele vergangene Therapiestunden mit einem jungen Klienten – mit den Therapeutinnen nahm ich an der Therapiestunde mit dem Klienten teil. Dabei konnte ich anhand des Interagierens die Ansätze der Therapie, die Reaktionen des Klienten und dessen positive Entwicklung erleben.
„Mir wesentliche Werte wie Zuversicht, Vertrauen, Gemeinschaft sind hier im Blindeninstitut Regensburg spürbar. Schon in den ersten Begegnungen habe ich erlebt, mit wie viel Herzblut und Engagement hier gearbeitet wird.“
Dominique Gottwald, Leiterin Blindeninstitut Regensburg
Welche Ziele möchten Sie in den kommenden Jahren für das Blindeninstitut Regensburg erreichen? Gibt es Themen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Gottwald: Leitmotiv bei der Weiterentwicklung des Blindeninstituts ist für mich der Satz „Bewährtes bewahren, Neues wagen“: Dinge, die sich in der Vergangenheit als erfolgreich, sinnvoll oder stabilisierend erwiesen haben, möchte ich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen fortführen – sie sind etwas sehr Wertvolles, auf das wir bauen können. Gleichzeitig braucht es von allen Beteiligten Offenheit, Mut und Kreativität, um auch neue Wege einzuschlagen, Veränderungen anzunehmen und Chancen zu nutzen. Unterschiedliche Themen liegen mir am Herzen: nach innen gerichtet unter anderem die Stabilisierung des Personalkörpers – Stichwort: Fach- und Arbeitskräftebedarfe – und das große Themenfeld Führung und Kultur. Nach außen gerichtet die weitere Vernetzung des Blindeninstituts in der Region – Stichwort: Netzwerkpartnerschaften – wie auch die Erweiterung unseres Instituts.
Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden besonders wichtig?
Gottwald: Mir ist es wichtig, eine offene, vertrauensvolle Kultur zu leben. Ich möchte zuhören, unterstützen, moderieren, voranbringen – nicht überstülpen. Mein Anspruch ist, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen gute Lösungen zu finden: für unser Haus, für die Kolleginnen und Kollegen und vor allem für die Menschen, für die wir jeden Tag arbeiten. Ich möchte verstehen, was den Kolleginnen und Kollegen wichtig ist, was sie bewegt. Interessiert bin ich an ihren Sichtweisen, Ideen, dankbar für ehrliche und sachliche Rückmeldungen.
Hatten Sie als Kind einen Superhelden oder eine Superheldin?
Gottwald: Meine „Superheldin“ war meine Großmutter. Das Leben hat sie viel tragen lassen: schwere Krankheiten, Flucht- erfahrung im Krieg, früher Verlust engster Angehöriger, alleinerziehende Mutter. Ihre unerschütterliche Zuversicht, ihre Lebensfreude, ihre Offenheit und Warmherzigkeit und ihr echtes Interesse am Gegenüber sind mir in guter Erinnerung.
Wenn Sie drei Worte wählen müssten, um sich selbst zu beschreiben – welche wären das?
Gottwald: Mein Anspruch ist es, präsent und transparent, klar, verantwortungsvoll und vor allem auf Augenhöhe zu führen. Darüber hinaus bin ich ein kreativer Kopf, der gerne neue Dinge ausprobiert. Insofern: Präsent, klar, kreativ.
Wie entspannen Sie nach einem langen Arbeitstag?
Gottwald: Da gibt es Verschiedenes: Bei meiner Familie, meinem Mann und unseren beiden Kindern komme ich gut zur Ruhe. Daneben schwimme und jogge oder lese ich sehr gerne. Ebenso kann ich in unserem Garten, in dem es immer viel zu tun gibt, hervorragend entspannen.
Gibt es ein Lebensmotto oder einen Spruch, der Sie begleitet?
Gottwald: Wenn wir aufhören zuzuhören, hören wir auf zu lernen. Wenn wir aufhören zu lernen, hören wir auf zu wachsen. Wenn wir aufhören zu wachsen, hören wir auf zu leben.

Über das Blindeninstitut Regensburg

Dominique Gottwald
Institutsleiterin Regensburg
Anzahl Mitarbeitende: 490 Anzahl Klient*innen: 807