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DIGITALISIERUNG SCHAFFT ZEIT FÜR DAS WESENTLICHE

Wie moderne Technologie in der Blindeninstitutsstiftung mehr Raum für persönliche Beziehungen ermöglicht. Die Blindeninstitutsstiftung setzt konsequent auf Digitalisierung – nicht als Selbstzweck, sondern um Mitarbeitenden mehr Zeit für die Menschen zu geben. Stiftungsvorstand Dr. Marco Bambach, Personalleiterin Heike Schnabel sowie Katharina Simpfendörfer (Stabsstelle Konzept- und Personalentwicklung) zu Herausforderungen und Erfolgen der digitalen Transformation. Von Roland Schmitt-Raiser.

Wer in den Blindeninstituten auf das Thema Digitalisierung im Jahr 2025 zurückblickt, denkt natürlich an die Cyberattacke, die sämtliche Mitarbeiter*innen monatelang in Atem hielt. „Der Angriff hat uns vor Augen geführt, wie weit wir digitalisiert und wie abhängig wir von einer funktionierenden IT-Infrastruktur geworden sind“, erklärt Stiftungsvorstand Dr. Marco Bambach nachdenklich. Aber: Erfolgreich überstandene Krisen sorgen für eine höhere Widerstandskraft. Insofern war 2025 auch ein Jahr der digitalen Resilienz. Unterstützt von weiteren Investitionen in die IT-Sicherheit und einem externen Informationssicherheitsbeauftragten blickt die Blindeninstitutsstiftung zuversichtlich auf die kommenden digitalen Herausforderungen. „Zum Nutzen unserer Mitarbeiter*innen und unserer Klient*innen brauchen wir als zukunftsorientierte Stiftung eine gut funktionierende digitale Infrastruktur“, betont Bambach. Und das machen auch die vielen erfolgreichen IT-Projekte deutlich, die vor allem dazu dienen, in den Instituten Raum für das Wesentliche zu schaffen.

Klare Ziele bis 2028

Als zeitliche Perspektive für laufende Digitalisierungsprojekte dient das Jubiläumsjahr 2028. Koordiniert von Johannes Müller (Referent für Digitalisierung und IT) sollen bis dahin, zum 175. Geburtstag der Stiftung, wichtige Projekte abgeschlossen sein. Dass die Digitaltechnik dabei lediglich als Werkzeug dient, stellt Bambach ausdrücklich klar: „Es geht nicht um Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern immer um einen konkreten Mehrwert für die Menschen.“ Digitalisierung bedeutet für Bambach vor allem Organisationsentwicklung: Bestehende Prozesse werden analysiert, optimiert und erst dann digitalisiert.

Die Vorteile zeigen sich auf zwei Ebenen. Erstens können Mitarbeitende dank digitaler Unterstützung Zeit einsparen, die ihnen dann für die Klient*innen zur Verfügung steht. Zweitens eröffnet die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen: Assistenzsysteme wie Brillen, die die Umgebung erfassen und per Sprache beschreiben, Smartphones mit Screenreadern, Apps zur Farberkennung oder iPads in der Frühförderung sind wertvolle Hilfen im Alltag geworden. „Das Smartphone war eine Revolution – anfangs skeptisch beäugt, ist es heute unverzichtbar für Selbstständigkeit und Kommunikation“, freut sich Bambach.

E-Learning für 3.000 Mitarbeitende

Parallel zur strategischen Ausrichtung läuft die praktische Umsetzung auf Hochtouren. Katharina Simpfendörfer von der Stabsstelle Konzept- und Personalentwicklung sowie Heike Schnabel, Leiterin der Personalabteilung, etablierten in den vergangenen beiden Jahren erste E-Learning-Formate in der Stiftung. Weitere werden folgen. Die größten Herausforderungen lagen zu Beginn in der Bereitstellung der Infrastruktur. „Wir mussten drei Akteure koordinieren: den Software-Anbieter P&I, die Personalabteilung und die Stabsstelle Konzept- und Personalentwicklung“, berichtet Simpfendörfer. Das System musste so parametriert werden, dass es die internen Abläufe abbildet. Schnabel ergänzt: „Wir haben rund 3.000 Mitarbeitende in eine Stellenplan-Struktur überführt und dabei verschiedene Organisationseinheiten und -ebenen gebildet, um festzulegen, wie die Workflows laufen und Berechtigungen ineinandergreifen müssen.“

Die Vorteile der E-Learning-Module liegen auf der Hand: Sie sind zeit- und ortsunabhängig verfügbar. „Bei so vielen Mitarbeitenden und einer gewissen Fluktuation kommt man mit Präsenzveranstaltungen kaum hinterher“, erläutert Simpfendörfer. Ein E-Learning-Modul erreicht alle 3.000 Mitarbeitende gleichzeitig, während eine Präsenzveranstaltung im besten Fall 15 bis 20 Personen umfasst und für jeden Termin neu vor- und nachbereitet werden muss. Die inhaltliche Qualität wird durch Fachexpert*innen-Ausschüsse gesichert, die Lerninhalte erarbeiten, Testgruppen bilden und die ständige Fortentwicklung sicherstellen. Pro Modul sind etwa 15 Personen an der Erarbeitung beteiligt. Bei aktuell 19 geplanten E-Learning-Modulen eine beachtliche Leistung.

Alle mitnehmen auf dem Weg

Na klar: Nicht alle Mitarbeitenden sind gleichermaßen digitalaffin. Die Stiftung begegnet dieser Herausforderung mit einem umfassenden Schulungskonzept. „Wir haben allgemeine Computerschulungen eingeführt, die mehrfach übers Jahr angeboten werden und aufeinander aufbauen“, berichtet Simpfendörfer. Diese werden nun verschriftlicht und in Videoanleitungen zur Verfügung gestellt. Wichtig ist auch die Arbeit mit Multiplikatoren und Keyusern, die vor Ort direkt ansprechbar sind.

Der Praxistest kam ausgerechnet während des Cyberangriffs. „Wir wären handlungsunfähig gewesen, Internet und E-Mail-Server waren teilweise nicht erreichbar, aber über die LOGA-App konnten wir kommunizieren und weiterarbeiten“, erinnert sich Schnabel. Die digitale Arbeitszeiterfassung des Dienstplan-Programms bietet zudem weitere Vorteile für die Mitarbeitenden: Sie können Verdienstabrechnung, Arbeitszeiten und Dienstplan checken und direkt Änderungswünsche einreichen.

Mensch im Mittelpunkt

Bei aller Technologiebegeisterung betont Bambach: „Die Verbindung von Mensch zu Mensch steht im Mittelpunkt unserer pädagogischen Arbeit. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind Werkzeuge, um genau dafür mehr Zeit zu schaffen.“ Insofern ist jeder Euro für die digitale Infrastruktur eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Institute. „Deswegen sind wir auch sehr dankbar für Unterstützer*innen, die Projekte wie die iPad-Ausstattung in der Frühförderung mitfinanzieren, und für die Bereitschaft der Kostenträger, die die Refinanzierung ermöglichen.“

„Wichtig ist mir“, schließt der Stiftungsvorstand, „wir gehen diesen Weg im Team, mit verschiedenen Perspektiven – auch Selbstvertretungsgremien sind eingebunden.“ Die digitale Transformation der Blindeninstitutsstiftung ist ein Gemeinschaftsprojekt, das allen zugutekommt.

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