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FRISCHER GLANZ FÜR HAUS 10

Durch den Umbau eröffnen sich für Personal und Bewohner neue Perspektiven. Nach monatelanger Planung und einer Kernsanierung in nur sechs Wochen erstrahlt Haus 10 des Würzburger Blindeninstituts in neuem Glanz. Das 2,5 Millionen Euro teure Projekt schafft eine Wohlfühlatmosphäre für junge Menschen mit Sehbeeinträchtigung und zusätzlichen Handicaps – mit neuen Pflegebädern, erweiterten Tagesstätten und individuell gestalteten Räumen. Bewohner, Eltern und Personal sind begeistert. Von Pat Christ.

Wer hat heute noch denselben Schrank wie vor 40 Jahren? Dieselbe Küche? Dieselbe Essgarnitur? Meist wird das Mobiliar etwa alle zehn Jahre ausgetauscht. Das gilt allerdings nicht nur im Privaten. „Auch unser Haus 10 musste runderneuert werden, es war einfach völlig abgewohnt”, sagt Michael Weis, Institutsleiter des Würzburger Blindeninstituts. Das geschah in den vergangenen Monaten. Alle Räume schauen nun endlich wieder schick und freundlich aus. Die Bewohner fühlen sich wohler denn je.

Auf welche Weise man die eigene Wohnung neugestaltet, darüber wird man sicher in vielen Familien länger diskutieren. Besonders anspruchsvoll ist ein solcher Prozess, betrifft die Verschönerung junge Menschen mit Sehbeeinträchtigung und zum Teil zusätzlichen psychischen Erkrankungen oder körperlichen Leiden. Haus 10 auf dem Gelände des Blindeninstituts beherbergt drei Wohngruppen. In einer leben fünf junge Menschen mit herausforderndem Verhalten. In einer anderen fünf Kinder und Jugendliche, die intensive Pflege benötigen. In der Gruppe 10C hingegen gibt es einige noch mobile junge Bewohnerinnen und Bewohner.

Ein Jahr lang wurde geplant, die Kernsanierung fand unter ziemlich großem Druck während der sechs Wochen in den Sommerferien 2025 statt. „Im laufenden Betrieb wäre der Umbau nicht denkbar gewesen”, erklärt Michael Weis. Nur in dieser Zeit war es möglich, die Gruppen in andere Häuser umzuverteilen: „Wäre der Zeitplan nicht aufgegangen, hätten unsere Bewohnerinnen und Bewohner am Ende der Sommerferien kein Zuhause gehabt.” Eine ganze Menge Menschen zogen mit am Strang, damit alles klappte: „Bodenleger und Maler heimischer Firmen haben extra wegen uns ihren Urlaub verschoben, ich bin wirklich total begeistert, wie alles funktioniert hat.“

Bei Verschönerungen im Privaten neigt man manchmal, mit Blick auf künftige Besucher, zur Effekthascherei. „Für Detailverliebtheit“, schmunzelt Michael Weis, „blieb beim Umbau wegen des Zeitdrucks wenig Raum.“ Im Fokus stand die Schaffung einer Wohlfühlatmosphäre, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Bewohner und des Personals. Alle Gänge erstrahlen nun in frischem Weiß. Die Böden sind dunkel, um einen Kontrast zu erzeugen. Bei der Gestaltung der eigenen Zimmer redeten manche Bewohner selbstverständlich mit. Große Mühe gab sich der 14-jährige Jeremy. In seinem Zimmer prangt nun eine Fotowand mit Bildern seiner Freunde.

Nicht nur die Kooperation mit den Handwerksbetrieben verlief einwandfrei. Perfekt war auch die Abstimmung mit den Fachdiensten inklusive Hauswirtschaft und Haustechnik. „Eng berieten wir, welche Böden und welche Wandfarben wir auswählen sollten“, berichtet Michael Weis. Schritt für Schritt wurden die Maßnahmen umgesetzt. Jeder Bewohnerbereich ist inzwischen rund um die Eingangstür farblich gekennzeichnet. Der eine rot. Der andere blau.

Für Menschen, die aufgrund komplexer Handicaps eingeschränkt leben müssen, gehört es oft zu den Highlights des Tages, zu essen und zu trinken. Entsprechend großen Wert wurde beim Umbau auf die Gestaltung der Essbereiche gelegt. Die Gruppen durften sich Mobiliar aus einem eigens für das Umbauprojekt zusammengestellten, kleinen Möbelkatalog aussuchen. „Wir kooperieren mit einer Einkaufsgenossenschaft in Unterschleißheim, die Pflegeeinrichtungen ausstattet, dahin fuhren war auch einmal und guckten uns im Showroom um”, berichtet Michael Weis. Ausgesucht wurde langlebiges und praktisches Mobiliar. Die Tische zum Beispiel müssen mit dem Rollstuhl unterfahren werden können.

Viele Schüler und Schülerinnen aus dem Blindeninstitut besuchen nach Ende des Unterrichts eine heilpädagogische Tagesstätte. Zwei davon gibt es in Haus 10. Eine konnte nun erweitert werden. Dies gelang durch einen zweiten Rettungsweg, der im Zuge des Umbaus des Dachgeschosses entstand. Die bisher über zwei Stockwerke verteilte Wohngruppe 10C ist durch den Umbau nun auf einem Stockwerk zusammen. Platz entstand schließlich für ein zusätzliches Pflegebad. Das verfügt über einen Deckenlifter. Die insgesamt 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Haus 10 tun sich mit dem Baden der Bewohner nun deutlich leichter.

Nicht nur die jungen Bewohner begeistern sich an der neuen, so viel schöneren Umgebung. Viel Lob gibt es auch von Seiten der Eltern. Die waren zuvor ganz schön unzufrieden gewesen, gibt Michael Weis zu: „Man sah ihnen die Skepsis mitunter an, ob das wirklich das geeignete Zuhause für ihre Kinder ist.” Aber auch das Personal gewann insgesamt beträchtlich hinzu. Das betrifft nicht zuletzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Gruppe 10B, die sich um schwerstkranke Kinder und Jugendliche kümmern. Einzelne Pflegehandlungen sind nun wesentlich einfacher durchführbar. Inmitten wunderschön gestalteter Räume.

Danke an Sternstunden e.V.

Die Sanierung und Innenausstattung des Wohnhauses und der Heilpädagogischen Tagesstätte im Haus 10 ist nur durch die Unterstützung von „Sternstunden e.V.“ möglich. Herzlichen Dank!

Über das Blindeninstitut Würzburg

Dr. Michael Weis

Institutsleiter Würzburg

Matthias Rüth

Institutsleiter Würzburg

Anzahl Mitarbeitende: 1320 Kinder und Jugendliche: 601 Erwachsene: 726 Beratungs- und Behandlungsangebote: 3326

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