Der Little Room:
Ein geschützter Erfahrungsraum für Orientierung und Selbstwirksamkeit



Für Kinder mit Sehbehinderung – und erst recht bei zusätzlicher Hörbeeinträchtigung bis hin zur Taubblindheit – ist die Welt um sie herum oft schwer wahrzunehmen. Reize sind im Alltag häufig nicht verlässlich zugänglich, Dinge verschwinden aus der Reichweite und die Wirkung eigener Bewegungen ist nicht immer klar und unmittelbar wahrnehmbar. Der Little Room kann hier unterstützen: Er bietet einen begrenzten Erfahrungsraum, in dem Handlungen unmittelbar beantwortet werden und das Kind Zusammenhänge zwischen eigener Aktion und Wirkung aufbauen kann.
Der Little Room ist ein kleiner, meist schwarz gehaltener Holzkasten mit drei Außenwänden. Er hat meist ein Dach, beispielsweise aus Plexiglas, mit Bohrungen, an denen Objekte in Greifnähe aufgehängt werden können. Je nach Bedarf und Körpergröße kann der Lit-tle Room unterschiedlich dimensioniert sein, sodass eine geschützte, überschaubare Umgebung entsteht. Er wird in der Frühförderung von Kindern mit Sehbehinderung eingesetzt. Bei hörsehbehinderten und taubblinden Kindern gewinnt er besondere Bedeutung, weil er über verlässlich erreichbare, vor allem taktile Rückmeldungen Orientierung im Nahraum und Ursache‑Wirkung-Erfahrungen ermöglicht.
Resonanz und Kontraste als Orientierung
An Decke oder Wänden werden Gegenstände aufgehängt, die das Kind durch Anstoßen, Greifen oder Bewegen zum Klingen, Rasseln oder Schwingen bringen kann. Auf diese Weise werden Ursache und Wirkung erfahrbar. So entstehen Spiel- und Lernerfahrungen, ohne dass das Kind sich fortbewegen muss. Durch wiederholte Nutzung zeigen sich zudem individuelle Vorlieben und Interessen. Je nach Bedarf können Eltern und Fachkräfte Material, Anzahl und Position der Elemente jederzeit anpassen.
Diese Erfahrung hat auch Sina Hudson gemacht, Mutter von zwei Töchtern mit Sehbehinderung. Bevor der Little Room bei ihnen einzog, hing über dem Bett ein Mobile. „Der Vorteil des Little Room ist, dass man ihn frei gestalten kann. Meine Kinder haben Kontraste wie Schwarz und Gelb besonders gut angenommen.“ So entsteht ein anpassbarer Nahraum, der Kindern mit Sehbehinderung – und bei zusätzlicher Hörbehinderung umso mehr – die Orientierung erleichtert und Selbstwirksamkeitserfahrungen durch eigenes Handeln unterstützt.