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DIE KRAFT DER MUSIK

Kinder und Jugendliche am Blindeninstitut Rückersdorf spielen eigene Songs, stehen gemeinsam auf der Bühne und zeigen im Studio D, wie inklusiv und lebendig Musik sein kann. Von Katja Latz-Voinich.

Musik schafft Nähe, erzeugt Stimmung, kann beruhigen oder anregen. Vor allem aber bringt sie Menschen zusammen. Barrieren treten in den Hintergrund, Freude und gemeinsamer Spaß stehen im Mittelpunkt: besonders in der Weihnachtszeit. Diese Freude ist nicht nur im Publikum spürbar, sondern ganz besonders bei den Musizierenden. Das zeigt ein Auftritt des Studio D im winterlichen Rückersdorf.

Vor dem Konzert liegt gespannte Vorfreude in der Luft. Schülerinnen und Schüler frühstücken gemeinsam und stärken sich für den Auftritt. Instrumente stehen bereit, der Raum ist festlich geschmückt, ein Weihnachtsbaum funkelt. Mitarbeitende stellen Stühle auf, begrüßen das Publikum und achten aufmerksam auf alle Anwesenden. Seit vielen Jahren unterstützt ein engagiertes Team aus pädagogischen Fachkräften und ehemaligen Mitarbeitenden das Studio D, vor und hinter der Bühne und oft sogar noch im Ruhestand. Mitten im Geschehen steht Torsten Nowitzki mit seiner Gitarre. Er musiziert mit den Schülerinnen und Schülern und hält organisatorisch alle Fäden zusammen.

Studio D – kreativer Raum am Dachsberg

Das Studio D ist ein Projekt am Blindeninstitut Rückersdorf und Teil der schulischen Arbeit. Der Name lehnt sich an den Standort an – den Dachsbergweg, an dem sich das Institut befindet. Gegründet wurde das Studio 2006 von Torsten Nowitzki und seinem Kollegen Fritz Schumacher, der inzwischen leider verstorben ist. Im März 2026 feiert das Studio sein 20-jähriges Jubiläum.

Das „STUDIO Dachsberg“ schafft für Schülerinnen und Schüler einen kreativen Raum, in dem projektorientierte Arbeiten in den Bereichen Musik, Theater, Film und Hörspiel entstehen. Im Mittelpunkt steht eine intensive Persönlichkeitsentwicklung, gefördert durch gemeinsames Gestalten und eigenständiges Arbeiten. Als klassen- und jahrgangsstufenübergreifendes Bildungskonzept liegt der Fokus besonders auf musikalischer Förderung.

Am Anfang standen ein paar eigene Songs, dazu gerne spielende und singende Schülerinnen und Schüler und irgendwann war klar, daraus wird mehr: eine Band.

Musik für alle, auf und hinter der Bühne

Die Band umfasst je nach Phase sechs bis 18 Teilnehmende. Kinder können bereits ab der Grundschule mitmachen. Entscheidend sind nicht Alter oder Vorerfahrung, sondern individuelle Stärken: Rhythmusgefühl, Gesang, Texte lernen oder Teil der Performance sein. Wer die Band bei Auftritten erlebt, wird oft neugierig und stößt später dazu. Dank moderner technischer Ausstattung, etwa elektronischer Hilfsmittel wie dem „Soundbeam“ oder passenden iPad-Apps, können auch Schülerinnen und Schüler mit Handicap aktiv musizieren. Neben dem Spaß zählt die Qualität. Zweimal pro Woche wird geprobt, Wiederholung und Kontinuität geben Sicherheit. Einzelne Talente erhalten zusätzlich Unterricht, etwa in Schlagzeug oder Gesang.

Manche Kinder und Jugendliche wachsen sichtbar über sich hinaus. Eva steht gern vorn, singt und spielt Kazoo. Auch Kevin gehört zu den Solisten. „Anfangs unsicher, ob er sich das zutraut, fragte er oft nach Rückmeldung. Heute steht er selbstbewusst auf der Bühne und geht manchmal sogar durchs Publikum“, erzählt Torsten Nowitzki begeistert. „Auch Vildan macht große Fortschritte. Sie spricht noch nicht lange Deutsch und singt inzwischen ein ganzes Lied mit.“

Alle können sich einbringen: an Instrumenten, beim Singen oder als Teil der Show, etwa mit Lebkuchen-Schildern beim Weihnachtskonzert.

Musik für alle, auf und hinter der Bühne

Die Band umfasst je nach Phase sechs bis 18 Teilnehmende. Kinder können bereits ab der Grundschule mitmachen. Entscheidend sind nicht Alter oder Vorerfahrung, sondern individuelle Stärken: Rhythmusgefühl, Gesang, Texte lernen oder Teil der Performance sein. Wer die Band bei Auftritten erlebt, wird oft neugierig und stößt später dazu. Dank moderner technischer Ausstattung, etwa elektronischer Hilfsmittel wie dem „Soundbeam“ oder passenden iPad-Apps, können auch Schülerinnen und Schüler mit Handicap aktiv musizieren. Neben dem Spaß zählt die Qualität. Zweimal pro Woche wird geprobt, Wiederholung und Kontinuität geben Sicherheit. Einzelne Talente erhalten zusätzlich Unterricht, etwa in Schlagzeug oder Gesang.

Manche Kinder und Jugendliche wachsen sichtbar über sich hinaus. Eva steht gern vorn, singt und spielt Kazoo. Auch Kevin gehört zu den Solisten. „Anfangs unsicher, ob er sich das zutraut, fragte er oft nach Rückmeldung. Heute steht er selbstbewusst auf der Bühne und geht manchmal sogar durchs Publikum“, erzählt Torsten Nowitzki begeistert. „Auch Vildan macht große Fortschritte. Sie spricht noch nicht lange Deutsch und singt inzwischen ein ganzes Lied mit.“

Alle können sich einbringen: an Instrumenten, beim Singen oder als Teil der Show, etwa mit Lebkuchen-Schildern beim Weihnachtskonzert.

Eigene Lieder, echte Themen, große Bühne

Beim Weihnachtskonzert ist der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Songs sind selbst komponiert und greifen Themen aus dem Alltag der Kinder auf. Die Beteiligung ist bewusst niedrigschwellig gestaltet, manchmal reichen einzelne Wörter im Refrain. Inhaltlich geht es um Anderssein, Frieden sowie humorvolle und ernste Alltagssituationen.

„Ein Lied entstand während einer Toilettenpause: Ständige Zusammenstöße und Entschuldigungen auf dem Gang wurden zum Song. Ein anderes Stück heißt „Fahr mit den Öffis“, inspiriert von einem Schüler, der das Unterwegssein liebt und dabei Selbstständigkeit lernt. Barrierefreiheit spielt dabei mit“, so Torsten Nowitzki.

Am Ende des Konzerts werden alle Musizierenden namentlich vorgestellt, Stolz und Freude sind deutlich spürbar. Über 200 Auftritte hat das Studio D bereits absolviert. Ob auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, bei Straßenmusik in Nürnberg, Erlangen oder Lauf, beim „Inklusiven Soundfestival – FIS“ in Fürth, dem Kinderliederfestival in der Nürnberger Tafelhalle oder beim Bürgerfest im Bayerischen Landtag – stets überzeugen Authentizität und Leidenschaft.

Im Laufe der Jahre entstanden Kooperationen mit dem Saxofonisten Norbert Nagel, dem blinden Pianisten Heinrich Hartel und dem Kinderliedermacher Geraldino. Mehrere CDs dokumentieren die Arbeit, darunter eine Weihnachts-CD während der Corona-Zeit, eine „Best of“ von 2016 und eine aktuelle Veröffentlichung aus dem letzten Jahr, „Frieden – Peace – Shalom“. Die Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Europäischen Schulmusikpreis, dem Paula-Maurer-Preis der Stadt Nürnberg und dem Förderpreis der Stiftung Leben pur.

Für die Zukunft wünscht sich das Studio D vor allem den Kontakt zu ehemaligen Teilnehmenden und viele neue Lieder. „Das mit dem Songsschreiben ist wie Angeln am Fluss“, sagt Torsten Nowitzki. „Man weiß nie, ob ein großer Fisch anbeißt.“

Über das Blindeninstitut Rückersdorf

Dominic Weufen

Institutsleiter Rückersdorf

Anzahl Mitarbeitende: 320 Anzahl Klient*innen: 547

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