Aus dem Stiftungsalltag

Aktionswoche Taubblind
Wie fühlt es sich an, die Welt nicht mit Ohren und Augen zu erkunden, sondern aus einer Stille und Dunkelheit heraus sich auf seine Hände und den Tastsinn zu verlassen? Es erfordert viel Einfühlungsvermögen und Erfahrungen, sich in die Welt von hörsehbehinderten/taubblinden Menschen hineinzuversetzen.
Am Blindeninstitut Würzburg findet einmal im Jahr die Aktionswoche Taubblind statt. Hierfür organisiert die Unterarbeitsgruppe Taubblind viele verschiedene Selbsterfahrungsangebote und praxisnahe Workshops, an denen die Mitarbeitenden die Möglichkeit haben, selbst die Welt taubblind zu erleben. Die Angebote sind in kurzen Fortbildungseinheiten zu unterschiedlichen Uhrzeiten in der Woche verteilt, sodass für jeden etwas Passendes dabei ist. Verschiedene Angebote können unter Simulation mit Augenbinde und Gehörschutz erlebt werden, zum Beispiel Frühstücken im Stillen und im Dunkeln, ein Überraschungsausflug, bei dem man mit dem Auto zu einem unbekannten Ziel fährt, sportliche Aktivitäten auf dem Gelände des Blindeninstituts oder eine Yogaeinheit, angeleitet von einem taubblinden Schüler. Darüber hinaus werden in Workshops zu (taktilen) Gebärden und dem Anfertigen von Bezugsarmbändern praxisnahe Inhalte vermittelt und direkt erprobt.
Teilnehmende nehmen wichtige Impulse und Erlebnisse aus der Aktionswoche Taubblind mit. Eindrückliche Erfahrungen zeigen, wie wichtig Ankündigung, Zeit geben, Geduld, Vertrauen, Sicherheit und verlässliche Führung im Zusammensein mit unseren taubblinden/hörsehbehinderten Klientinnen und Klienten sind. Es wächst nicht nur neues Verständnis, sondern auch der Mut, etwa mehr taktile Gebärden einzusetzen, Abläufe klar zu strukturieren und bewusst andere Sinne mit einzubeziehen.

Verschiedene Verweiser für Wochentage (Montag gelb bis Freitag orange), Stundenplan (Morgenkreis, Frühstück, Förderpflege, Massage, Musik) sowie Disco.
Wie taktile Verweiser helfen
Neues Projekt „Der taktile Stundenplan“: Lehrkräfte im Blindeninstitut Rückersdorf bestimmen einheitliche, symbolbasierte Verweiser, die die einzelnen Unterrichtsfächer und Aktivitäten im Stundenplan taktil darstellen oder eine Auswahlmöglichkeit in Pausensituationen bieten.
Taktile Verweiser sind greifbare Gegenstände, die mit bestimmten Informationen assoziiert werden. Sie ermöglichen eine alternative oder ergänzende Form der Kommunikation für Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen. Die Verweiser sollen den Kindern und Jugendlichen in Rückersdorf helfen, sich im Schulalltag besser zu orientieren. Das stärkt ihre Selbstständigkeit und ihr Selbstwertgefühl. Mit den Verweisern soll auch der Grundstein für eine Kommunikation entstehen, die langfristig über den Stundenplan hinausgeht und hilft, Bedürfnisse und Wünsche mitzuteilen.
Die Verweiser sollen allen Klassen zur Verfügung gestellt werden. Aktuell erproben wir sie vor allem mit blinden Grundschülerinnen und Grundschülern sowie mit einer hörsehbehinderten Schülerin der Mittelschulstufe.



Mit einem Fingertipp zu mehr Orientierung
Was ist heute los? Was gibt’s zum Mittagessen? Wie ist das Wetter? Am Blindeninstitut München hilft das digitale Informationssystem CABito, solche Fragen barrierearm zu beantworten. Über einen Touchscreen können Kinder und Jugendliche Informationen selbstständig abrufen. CABito arbeitet mit Bildern, Texten und Ton. Die Inhalte sind in Bereiche gegliedert, etwa zu den Themen Tagesinformationen, Speiseplan, Aktionen oder Neuigkeiten aus dem Haus. So entstehen Orientierungspunkte im Alltag. Auch Hinweise auf besondere Ereignisse oder Besuche können eingeblendet werden – beispielsweise wenn ein Handwerker angekündigt ist.
Gleichzeitig lädt CABito dazu ein, selbst aktiv zu werden. In der Rubrik „Kinder erzählen“ können Kinder und Jugendliche eigene Beiträge gestalten, kleine Podcasts aufnehmen oder Fotos von gemeinsamen Aktionen zeigen. Das System vermittelt also nicht nur Informationen, sondern eröffnet auch Möglichkeiten zur Mitgestaltung.
Spaziergang mit allen Sinnen
Franka ist eine junge Frau, die seit ihrem achten Lebensjahr im Blindeninstitut Regensburg lebt. Sie ist taubblind und unternimmt in ihrem Rollstuhl liebend gerne Spaziergänge.
Doch wie fühlt sich ein Spaziergang an, wenn er sich am eigenen Tempo orientiert und zu einem selbstständigen Erlebnis wird? Menschen mit Hörsehbehinderung benötigen Zeit, um ihre Umgebung wahrnehmen zu können. Sie orientieren sich über Berührungen, Gerüche und Vibrationen. Körperliche Nähe und kontinuierlicher Kontakt zur Begleitperson – etwa eine Hand auf der Schulter oder dem Arm – sind dabei von großer Bedeutung. So machten wir uns auf den Weg. Das Ziel war es, den Weg für sie mit vielen Anregungen, Reizen und Spaß zu gestalten – in ihrem eigenen Tempo. Jedes Mal, wenn Franka sich im Rollstuhl vorbeugte, um Gräser zu berühren, warteten wir, bis sie ihre Entdeckung beendet hatte. Indem wir Blätter oder Steine zum Fühlen anboten, versuchten wir, Frankas Neugier zu wecken. Auch die Gerüche von Blumen, Erde oder Blättern nahmen wir bewusst wahr. Dieser Spaziergang war mehr als nur ein Ausflug, er war eine wertvolle Erfahrung, die Franka die Möglichkeit zur Selbstwirksamkeit gab.

Die Gebärde des Monats

Katrin und Lucas zeigen Weihnachtsmarkt
Im Blindeninstitut Thüringen nutzen wir die „Gebärde des Monats“, um neue Begriffe der Deutschen Gebärdensprache (DGS) zu lernen. Jeden Monat stellt ein Kind, ein Jugendlicher oder ein Erwachsener die Gebärde dar. Oft gibt es jahreszeitliche Bezüge oder die Gebärde passt zu Höhepunkten unserer Einrichtung wie die Monatsgebärde vom Dezember. Katrin und Lucas zeigen daher „WEIHNACHTSMARKT“.
Oder wir freuen uns so, dass eine Schülerin oder ein Schüler gerade eine neue Gebärde gelernt hat, dass wir diese dem Haus präsentieren wollen. So wie Jimmy, der „NOCHMAL“ zeigt. Die Gebärde des Monats kann aber auch für Personen typische Dinge zeigen, wie beispielsweise unsere Physiotherapeutin Yvonne, die sich selber gerne bewegt und für gute Bewegungen sorgt mit der Gebärde „BEWEGEN“.
Zunächst hatten wir die Gebärde des Monats in den Schaukästen unseres Hauses und auf der Website gezeigt. Seitdem wir auch auf Social Media aktiv sind, gibt es die Gebärde des Monats nun auch als Video. Zum Lernen der Gebärden sind die kleinen Videos natürlich viel besser.
Zudem nutzen wir so die Möglichkeit, die Menschen, die die Gebärden zeigen, vorzustellen. Wer sind sie? Was macht sie aus? Wie kommunizieren sie? Diese Fragen beantworten wir bei der kleinen Vorstellung. Schauen Sie doch einfach mal vorbei: www.instagram.com/blindeninstitutsstiftung