Bessere Versorgung für taubblinde Menschen
Auftaktveranstaltung im Blindeninstitut Würzburg

Mit einer Auftaktveranstaltung am 11. Februar 2026 im Blindeninstitut Würzburg ist das Projekt GaViD-Sinne am Standort Würzburg offiziell gestartet. Ziel des bundesweiten Vorhabens ist es, die Versorgung von Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung spürbar zu verbessern – durch interdisziplinär abgestimmte Diagnostik, Beratung und Unterstützung.
Johannes Spielmann, Vorstand der Blindeninstitutsstiftung, betonte zu Beginn, wie wichtig es sei, vor allem bei Menschen mit komplexen Behinderungen genau hinzusehen: „Bis das Gegenteil bewiesen ist, muss man davon ausgehen, dass bei diesem Personenkreis eine Sinnesbeeinträchtigung vorliegt.“ Das habe die Studie „Hören und Sehen in Bayern“ gezeigt. Mit Blick auf die vielen Hürden, die das Projekt bis hierhin nehmen musste, verwies Spielmann auf die wohl bekannteste taubblinde Frau Helen Keller als Visionärin und Vorkämpferin: Ihr Lebensweg zeige, was möglich wird, wenn Menschen die passende Unterstützung erhalten – und dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen.
Hören und Sehen zusammen denken
Melissa Glomb, Geschäftsführerin des Deutschen Taubblindenwerks und Initiatorin von GaViD-Sinne, schilderte eindrücklich, wie viel Vorlaufzeit, Willenskraft und Geduld nötig waren, damit das Projekt starten konnte. Trotz der Förderzusage durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses in Höhe von 5,8 Millionen Euro und dem Projektstart im Sommer 2024 stand die Finanzierung zwischenzeitlich auf der Kippe. Umso größer sei nun die Erleichterung, dass die Arbeit an den Versorgungsstützpunkten in Berlin, Hannover, Stuttgart/Tübingen und Würzburg beginnt.
Endlich könne nun eine große Versorgungslücke geschlossen werden. „Wir betrachten Hören und Sehen zusammen – nicht getrennt“, unterstrich die Konsortialführerin des Projekts Melissa Glomb. Eine ganzheitliche und frühzeitige Diagnostik sei die Grundlage dafür, dass jedes Kind von Anfang an die passenden Bildungs- und Entwicklungsangebote erhalte.
Endlich könne nun eine große Versorgungslücke geschlossen werden. „Wir betrachten Hören und Sehen zusammen – nicht getrennt“, unterstrich die Konsortialführerin des Projekts Melissa Glomb. Eine ganzheitliche und frühzeitige Diagnostik sei die Grundlage dafür, dass jedes Kind von Anfang an die passenden Bildungs- und Entwicklungsangebote erhalte.
Individuelle Bedarfe erkennen und passgenau unterstützen
Die Projektleiterin (Blindeninstitutsstiftung) Tabea Sadowski betonte, wie unterschiedlich sich Taubblindheit oder Hörsehbehinderung auf die Lebensqualität Betroffener auswirkt: Taubblindheit sei nicht „Hörbehinderung plus Sehbehinderung“, sondern verstärke sich in ihren Auswirkungen auf Kommunikation, Orientierung und Alltag. Deshalb brauche es für alle Betroffenen eine individuelle Fallbetrachtung. GaViD-Sinne setze genau hier an: Das Projekt führt die bislang oft getrennten Stränge aus HNO und Augenheilkunde im neu geschaffenen Versorgungszentrum am Blindeninstitut Würzburg zusammen.
Den Weg in Würzburg klar strukturieren
Wie das konkret funktioniert, erläuterten die Projektmitarbeiterinnen Elena Meuser und Anastasia Kov: Der Weg beginnt im Blindeninstitut Würzburg mit dem Erstkontakt und einem strukturierten Screening von Hören und Sehen. Auf dieser Grundlage folgen abgestimmte Gespräche im interdisziplinären Team – inklusive der Einbindung der medizinischen Expertise aus HNO und Augenheilkunde. Die weiterführenden Untersuchungen finden anschließend am Universitätsklinikum Würzburg statt.
Danach übernimmt das Blindeninstitut die Nachbetreuung: Gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten und – je nach Bedarf – dem persönlichen Umfeld klärt das Team, welche nächsten Schritte sinnvoll sind, welche Förder- und Unterstützungsangebote infrage kommen und was es konkret braucht, damit sich der Alltag der Betroffenen spürbar verbessert – von Kommunikation über Orientierung bis zur passgenauen Versorgung.
Danach übernimmt das Blindeninstitut die Nachbetreuung: Gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten und – je nach Bedarf – dem persönlichen Umfeld klärt das Team, welche nächsten Schritte sinnvoll sind, welche Förder- und Unterstützungsangebote infrage kommen und was es konkret braucht, damit sich der Alltag der Betroffenen spürbar verbessert – von Kommunikation über Orientierung bis zur passgenauen Versorgung.

Interdisziplinäre Fallbetrachtung verbessert Versorgung
Aus medizinischer Perspektive berichteten Dr. Sophie Flandin (HNO) und Dr. Christoph Kalantari (Augenheilkunde) vom Universitätsklinikum Würzburg, wie sehr die neue Struktur die Versorgung verbessert: Durch das vorgelagerte Screening im Blindeninstitut und die gebündelten Befunde erhalten sie einen schnellen Überblick und können Fälle interdisziplinär und zielgerichtet weiterbehandeln oder weiterleiten. Gleichzeitig gewinnen sie mehr Zeit für die entscheidenden Fragen – und vermeiden Doppelwege.
Regelversorgung ermöglichen und Perspektiven schaffen
Abschließend betonte Vorstand Johannes Spielmann, was alle Projektpartner eint: das Ziel, betroffenen Menschen und ihren Angehörigen künftig schneller und verlässlicher zu helfen. Zugleich verbinden sie mit GaViD-Sinne die Hoffnung, dass aus dem Modellprojekt eine dauerhafte Regelversorgung für diesen Personenkreis entsteht – damit interdisziplinäre Diagnostik und abgestimmte Unterstützungsangebote langfristig im Gesundheitswesen verankert werden.



