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Vor einer Leinwand in einem großen Saal steht eine Gruppe von Menschen. Auf der Leinwand ist das Logo von DBI und kleine gelbe Sterne zu sehen.

Mehr Teilhabe für taubblinde Menschen - AGTB tauscht sich in Nordamerika mit Fachleuten aus aller Welt aus

Als amtierender Geschäftsführer besuchte Johannes Spielmann zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der AG der Einrichtungen und Dienste für taubblinde Menschen das Helen Keller Center in New York und den internationalen DBI-Kongress in Ottawa.

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Mehr Teilhabe für taubblinde Menschen

AGTB tauscht sich in Nordamerika mit Fachleuten aus aller Welt aus

Vor einer Leinwand in einem großen Saal steht eine Gruppe von Menschen. Auf der Leinwand ist das Logo von DBI und kleine gelbe Sterne zu sehen.
Wie die Selbstbestimmung und die Teilhabe von taubblinden und hörsehbehinderten Menschen gestärkt werden können, war eine zentrale Fragestellung bei einem Besuch der AGTB im Helen Keller Center in New York und beim internationalen DBI-Kongress in Ottawa. Als amtierender Geschäftsführer vertrat Johannes Spielmann zusammen mit Kolleginnen und Kollegen die Arbeitsgemeinschaft der Einrichtungen und Dienste für taubblinde Menschen in Deutschland (AGTB).

Die deutschsprachige Delegation wurde von der Direktorin des Helen Keller National Center for Deaf-Blind Youth and Adults Deborah Harlin und ihrem Stellvertreter Christopher Woodfill am 21. Juli 2023 herzlich begrüßt. Neben Johannes Spielmann waren die AGTB-Mitglieder Melissa Glomb, Deutsches Taubblindenwerk Hannover, Roland Flaig, Nikolauspflege Stuttgart, sowie weitere Kolleginnen aus dem deutschsprachigen Raum in das nationale Kompetenzzentrum der USA angereist.
 
Eine kleine Gruppe von Menschen steht unter der Durchfahrt eines Gebäudes. Auf einer Betonfassade steht über der Gruppe: Hellen Keller National Center for Deaf-Blind

Beeindruckender neuer Ansatz für die Kommunikation mit taubblinden Menschen

Selbst taubblind führte Christopher Woodfill das Gespräch als Hauptgegenüber mit der Unterstützung von bis zu fünf Unterstützerinnen. Diese gebärdeten ihm die Fragen der Besuchergruppe und übersetzten Woodfills Ausführungen ins Englische.

Darüber hinaus erhielt er durch zwei weitere Kolleginnen ständig weitere Informationen über haptische Berührungen auf den Rücken über all das, was im Raum vor sich ging.

Diese Kommunikation über Haptik wird im europäischen Raum auch in Norwegen praktiziert und ist von dort inspiriert. Man kann sie vergleichen mit der Audiodeskription für sehbeeinträchtigte Menschen: Über die Haptik erhält der taubblinde Mensch zusätzliche Informationen zum Geschehen über das gesprochene Wort hinaus.

Wann gilt man als taubblind?

Beim Austausch ging es auch um die Definition von Taubblindheit. Die Experten des Helen Keller Center plädieren ausdrücklich für eine weite Definition, die Einschränkungen des Sehens und Hörens durch die Beeinträchtigung der Wahrnehmungsverarbeitung miteinbezieht. Damit entspricht die Definition sehr der Definition der AGTB.

Das Hellen Keller Center geht davon aus, dass in den USA insgesamt 2,8 Mio. Menschen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung leben, davon 2,4 Mio. Personen im Alter von über 65 Jahren. Insgesamt werden 40 Online-Kurse für diesen Personenkreis über die Website des Centers angeboten. 75 Menschen sind im Zentrum beschäftigt. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten die Themenbereiche selbständige Lebensführung, Orientierung, Kommunikation und berufliche Rehabilitation.

Beeindruckend war der Bezug zur Historie des Helen Keller Centers. Fotografien im Eingangsbereich zeigen Helen Keller im direkten Austausch mit verschiedenen US-Präsidenten. In großer Beharrlichkeit setzte die Taubblinden-Pionieren die Gründung eines nationalen Kompetenzzentrums durch.

Internationaler Austausch und Netzwerken beim DBI-Kongress

Anschließend reiste die Delegation nach Kanada weiter. In Ottawa fand vom 22. bis 28. Juli mit circa 500 Teilnehmenden aus der ganzen Welt der 18. internationale DBI-Kongress statt. DeafBlind International ist der Weltverband für alle Organisationen und Fachleute im Bereich der Taubblindheit und Hörsehbehinderung sowie für alle selbst betroffenen Menschen.

Neben der bunten Sprachenvielfalt prägten die vielen taubblinden Teilnehmenden mit der Gebärdensprache die Bilder und die Kommunikation des Treffens. Die Breite der Themen entsprach der ganzen Vielfalt der Fragestellungen aus Forschung und Praxis der Arbeit mit taubblinden Menschen.

Auch hier im Fokus: Die Definition

Auch hier stand immer wieder die Frage der Definition von Taubblindheit im Mittelpunkt. Dabei betonen vor allem die neu entwickelten Definitionen aus den Niederlanden und der nordeuropäischen Länder den ICF-Bezug und damit verbunden die Wechselwirkung zwischen individueller Beeinträchtigung und den Umgebungsbedingungen. Ein wesentlicher Aspekt, der unserer deutschen Definition noch fehlt. Übereinstimmend stellen aber alle fest: Taubblindheit kann sich nicht auf eine rein medizinische Definition reduzieren.

Spannend war auch der Dialog zwischen Medizin, Pädagogik und Pflege, der deutlich machte, dass für eine ganzheitliche Sicht auf die Lebenssituation taubblinder Menschen die unterschiedlichen Dimensionen zu berücksichtigen sind und sich wesentlich ergänzen.

Gemeinsames Engagement für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung eint über Kontinente hinweg

Was den Kongress besonders auszeichnete, ist das bunte, vielfältige Miteinander auf Augenhöhe, die Freude sich zu begegnen, Erfahrungen und Kompetenzen miteinander zu teilen, Fragen zu stellen. Getragen wurde der Kongress von der Überzeugung, gemeinsam an unterschiedlichen Orten dieser Erde dazu beizutragen, dass taubblinde Menschen immer selbstbestimmter und selbstverständlich teilhabend ihr Leben gestalten dürfen und so Teil der einen Menschheitsfamilie zu sein.

2027 treffen wir uns wieder - diesmal in der Schweiz. Übrigens heißt der neugewählte DBI-Präsident Mirko Baur und ist vielen Kolleginnen und Kollegen als der Gesamtleiter der Schweizer Tanne bekannt.

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