Eingliederung ins Arbeitsleben: Eine Chance für Betroffene

Von 1982 bis 1984 fand das Modellprojekt „Integration von mehrfachbehinderten Sehbehinderten/Blinden in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung“ in Würzburg statt. Die Auswertung des Projektes überzeugte die zuständigen Behörden und Kostenträger davon, dass die betroffenen Personen i.d.R. eine besondere Einrichtung, eine Spezialwerkstatt für Menschen mit Blindheit / Sehbehinderung benötigen.

Im Juli 1989 gründeten die Blindeninstitutsstiftung und der Blindenobsorgeverein 1853 e.V. als Gesellschafter die gemeinnützige Gesellschaft Werkstatt für Sehgeschädigte Würzburg GmbH, die Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist.

Zwei Werkstattarbeiter tasten sich mit ihren Blindenstöcken durch einen langen Gang

Am 1. Oktober 1989 begann diese Spezialeinrichtung für Menschen mit Blindheit / Sehbehinderung in einem Provisorium unter Anerkennung durch die Agentur für Arbeit nach § 142 SGB IX mit der Teilhabe am und der Eingliederung in das Arbeitsleben (§136 SGB IX).

Im Jahr 1992 wurde die Werkstatt in der Ohmstraße mit 120 Arbeitsplätzen neu gebaut. Dazu kam im Jahr 2006 eine Nebenwerkstatt in der Franz-Ludwig-Straße mit 60 Plätzen. Insgesamt bieten wir 180 Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung an.

Logo der Bentheim Werkstatt GmbH
In Anlehnung an den Gründer der Blindeninstitutsstiftung Moritz Graf zu Bentheim-Tecklenburg-Rheda heißt die Werkstatt seit November 2016: Bentheim Werkstatt GmbH. Der Graf war schon vor über 160 Jahren davon überzeugt, dass blinde Menschen mehr können, als ihnen ihre Mitmenschen damals zutrauten. Er blickte auf ihre Fähigkeiten und besonderen Talente.

Der neue Name trägt im Logo den Zusatz „inklusiv arbeiten!“ und gibt damit die Richtung vor, in der sich die Werkstatt weiterentwickeln möchte. Durch die Schaffung inklusiver Außenarbeitsplätze wird es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung ermöglicht, sich in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Wer arbeitet bei uns

Grundsätzlich können bei uns alle Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung arbeiten, die wegen der Art oder Schwere ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können und die ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit erbringen.

Unsere Aufgaben: Bildung, Erwerbsfähigkeit und Integration

Außenansicht der Werkstatt für Sehgeschädigte in der Franz-Ludwig-Straße

Die Aufgaben der Bentheim Werkstatt GmbH beinhalten nach §136 SGB IX für Menschen mit Behinderung:
 

  • Eine angemessene berufliche Bildung und eine Beschäftigung zu einem ihrer Leistung angemessenen Arbeitsentgelt aus dem Arbeitsentgelt anzubieten
  • Zu ermöglichen, ihre Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu entwickeln, zu erhöhen oder wiederzugewinnen und dabei ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
  • Die Werkstatt fördert den Übergang geeigneter Personen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch geeignete Maßnahmen.
  • Wir haben ein möglichst breites Angebot an Berufsbildungs- und Arbeitsplätzen.
  • Wir verfügen über qualifiziertes Personal und einen begleitenden Dienst.

Arbeitsplätze, die auf die blinden / sehbehinderten Werkstatt-Mitarbeiter zugeschnitten sind

Ein gelbes Dreieck mit Schraubenschlüssel und Blindenschrift führt zu den Arbeitsgruppen Metall und Montage

Menschen mit erheblichen Beeinträchtigungen des Sehens bedürfen besonderer personeller, fachlicher und baulicher Besonderheiten:

  • Spezifische räumliche und bauliche Gestaltung der Werkstatt und spezielle Strukturierung der Zugangswege
  • Optische und taktile Hilfen für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung auf dem Weg zur Arbeitsstelle, zum Beispiel durch geraden oder rechtwinkligen Verlauf der Wege und die taktile Erfassbarkeit von Wege-Kreuzungen
  • Markierung von Gefahrenstellen wie Treppen, Säulen und Türen
  • Sehbehindertenspezifische Beleuchtung in der Allgemeinbeleuchtung und individuellen Arbeitsplatzbeleuchtung
  • Hindernisfreie Gestaltung der Verkehrswege in der Werkstatt
  • Taktile Symbole sowie Kennung in Schwarz- und Blindenschrift zur Orientierung in der Werkstatt
  • Kleine, überschaubare Arbeitsräume und Arbeitsgruppen

Mehrere Werkstatt-Mitarbeiter sitzen an einer langen Werkbank vor verschiedenen Kisten

  • Geringere „Stör“-Geräusche für eine bessere Orientierung durch Arbeit in Kleingruppen, Dämmung der Maschinen sowie geräuscharme Maschinen und Hilfsmittel
  • Mehr Personal bei blinden/sehbehinderten Menschen
  • Zusätzliches Personal für das individuelle Erstellen von Vorrichtungen und Umbauten von Maschinen
  • Sehbehinderten- und blindenspezifische Fachdienste für Orientierungs- und Mobilitätstraining, sowie Diagnose und Beratung bei orthoptischen Problemstellungen
  • Zusatzqualifizierung hinsichtlich besonderer Kommunikationsformen für Hör-/Sehbehinderte oder Taubblinde
  • Zusätzliche sozialpädagogische und psychologische Unterstützung.